Die Parkgärtnerei im Fürstlich Greizer Park wird in den nächsten Jahren mit rund 6,9 Millionen Euro saniert. Nach aufwendigen Untersuchungen und Planungen wird nun seit September sichtbar am Gebäude gearbeitet. Die Finanzierung erfolgt zum Teil mit Mitteln aus dem Bundeprogramm zur Beseitigung der Hochwasserschäden von 2013.

 

Das 1779 als Orangerie errichtete Gebäude erlebte im Lauf der Zeit eine wechselvolle Geschichte. Zunächst diente es als Winterquartier für die Kübelpflanzen des Parks. Bereits im 19. Jahrhundert kam es zu baulichen Veränderungen an der Tragkonstruktion. Der östliche Gebäudeteil beherbergte ab 1835 als städtisches Theater, später ein Baumagazin. Im 20. Jahrhundert wurde der Bereich bis 1954 wieder als Theater genutzt, im westlichen Teil entstanden Arbeitsräume für die Parkgärtnerei. Das Obergeschoss und teilweise das Dachgeschoss wurden zu Wohnungen ausgebaut, während die Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Parkverwaltung vorbehalten blieben. Nach der Flutkatastrophe 2013, die den Park und auch die Gebäude erheblich geschädigt hatte, waren die Räume der Parkverwaltung praktisch nicht mehr nutzbar, die ohnehin nötige Sanierung wurde unumgänglich.

Das Planungskonzept für die Sanierung sieht eine Nutzung durch die Parkverwaltung vor. Das äußere Erscheinungsbild soll wieder dem Orangeriebau aus dem 18. Jahrhundert angenähert werden. Hierzu gehört auch die betont symmetrisch gestaltete, repräsentative Südfassade, wofür die Westseite um eine Fensterachse erweitert wurde. Im östlichen Teil des Erdgeschosses wird ein Kalthaus für die Überwinterung der Kübelpflanzen untergebracht, daran schließen sich nach Westen eine Werkstatt, ein Lager für Gärtnereibedarf und ein Warmhaus zur Anzucht von Pflanzen an. Auch an die Parkbesucher ist gedacht, für die Toiletten im Erdgeschoss vorgesehen sind. Das Kalthaus kann zudem im Sommer für Veranstaltungen genutzt werden. Im Obergeschoss entstehen Arbeitsräume für die Parkverwaltung sowie eine neue Wohnung.

Der seit Juli angebotene Audiowalk zur Schaubaustelle auf Schloss Schwarzburg war in der ersten Saison ein voller Erfolg. Über 1200 Gäste wollten die Schaubaustelle im Hauptschloss sehen. Die Führungen konnten aufgrund der Baumaßnahmen im Schloss nur am Wochenende angeboten werden. Frau Dr. Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, ist überaus zufrieden mit dem Ergebnis. „Wir haben gehofft, dass das neue Format des Audiowalks bei Besuchern gut ankommt, aber dass wir in der ersten Saison nahezu eine volle Auslastung erreichen, hat uns doch sehr gefreut.“ Zu danken ist der Erfolg dem Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e.V., der für einen reibungslosen Ablauf der Führungen und die Betreuung der Gäste sorgte. Die Resonanz der Gäste war durchweg positiv. Sie zeigten sich begeistert ob der Fülle an Themen, die die Schlossanlage sowie der Ort Schwarzburg bereit hält. Am vergangenen Wochenende fand die letzte Führung in diesem Jahr statt.

Parallel liefen die umfangreichen Bauarbeiten am und im Schloss-Hauptgebäude sowie am ehemaligen Kirchturm weiter. Die Maß-nahmen umfassten statische Sicherungen und Mauerwerkssanierungen sowie das Einziehen neuer Deckenbereiche. Auf den Fortgang der Arbeiten nimmt auch der Audiowalk Rücksicht, der so flexibel aufgebaut ist, dass veränderte Wegeführungen aufgrund der Baustellensituation einbezogen werden können. Über die Wintermonate werden inhaltliche Erweiterungen vorgenommen, so dass Gäste in der kommenden Saison nicht nur weitere spannende szenischen Sprach-Klang-Erzählungen erwarten, sondern auch Einbauten wie eine Empore in einem der beiden begehbaren Räume eine neue Wegeführung und somit einmalige Blickachsen bereithalten.

Als beteiligte Projektpartner freuen sich die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen und der Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e. V. auf Ihren Besuch und laden Sie herzlich dazu ein, sich auch in der kommenden Saison ab Mai auf Entdeckungstour durch das Schloss zu begeben.

In Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 2021 (BUGA21) wird die ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul auf dem Erfurter Petersberg in großem Umfang teilsaniert. Im Inneren wird während der Laufzeit der BUGA21 die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ präsentiert. Thema der Ausstellung sind Werke der Gartenkunst in Thüringen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Ausgangspunkt ist das Paradies – der in der Bibel beschriebene Garten Eden – als Urform des Gartens.

 

Am Beispiel der Gartenanlagen des untergegangenen Klosters St. Peter und Paul, von dem heute nur noch die Peterskirche steht, wird die mittelalterliche Gartenkultur behandelt. Die Außenanlagen des Klosters umfassten den Garten im Kreuzgang, Obst-, Gemüse-, Kräuter- und Weingärten sowie den Friedhof.

Während im Mittelalter die Klöster bei der Förderung und Verbreitung der Gartenkultur führend waren, übernahmen die Fürstenhöfe seit der frühen Neuzeit diese Rolle. An den historischen Gärten und Parks in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist diese Entwicklung ablesbar. Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Gärten sind die Park- und Gartenanlagen der Renaissance, des Barock und die Landschaftsgärten in ihrem Bestand erhalten und in ihrer Vielfalt und Schönheit erlebbar. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte, Gestaltungsweise und in das Wirken der Gartendenkmalpflege, das die Voraussetzung zum Erhalt dieser wertvollen Kulturgüter bildet.

Zu diesen Gartenparadiesen gehört der in der Renaissance entstandene Garten von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, einer der frühesten Terrassengärten in Deutschland mit den Überresten einer ehemals bedeutenden Wasserkunst.

Von barocker Pracht zeugen die erhaltenen Skulpturen des Schlossparks Molsdorf. Da ihre Originalstandorte nicht bekannt sind, wurden einige in einem gärtnerisch spannungsreich gestalteten Lapidarium am Schloss neu aufgestellt.

Zur kostbaren Ausstattung eines Barockgartens gehörten Orangeriegebäude, die Zitruspflanzen und andere exotische Gewächse beherbergten. Im Garten von Schloss Schwarzburg ist die Orangerie mit dem Kaisersaal und dem Orangerieparterre zugleich ein Statussymbol in Verbindung mit der Standeserhöhung des Hauses Schwarzburg-Rudolstadt im Jahr 1710.

Schloss Friedenstein verfügt nicht nur über großzügige Orangerie- und Gewächshausanlagen, sondern auch über einen der frühesten Landschaftsgärten in Deutschland. Die 1769 begonnene Komposition des englischen Gärtners Haverfield mit sanft geschwungenen Wasserflächen, Inseln und Buchten entfaltet heute noch ihre malerische Wirkung.

Der weitläufige Park Altenstein zeichnet sich durch seine beeindruckenden Inszenierungen der felsigen Landschaft aus der Zeit um 1800 aus. Staffagebauten, wie das chinesische Häuschen oder die Ritterkapelle, krönen schlanke Felsnadeln und eröffnen vielfältige Ausblicke in die Parklandschaft.

Von der herausragenden landschaftlichen Lage profitieren auch die Dornburger Schlösser. Sie wurden durch die Gartenanlagen von Carl August Christian Sckell ab 1824 zu einer Einheit verbunden. An der Gestaltung hatten auch Großherzog Carl August und Goethe regen Anteil.

Die Gartenkultur besaß einen hohen Stellenwert und die Fürsten selbst widmeten sich dieser Kunst. So auch Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt, von dem sogar Entwurfszeichnungen des Terrassengartens von Schloss Heidecksburg überliefert sind.

Zu den bedeutendsten deutschen Gartenkünstlern zählt Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Gemeinsam mit Hermann Jäger gestaltete er ab 1853 den Park von Schloss Wilhelmsthal um. Über Jahrzehnte vernachlässigt, wird die Anlage nun von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten nach den Richtlinien der Gartendenkmalpflege wiederhergestellt und auf diese Weise ein Werk Pücklers zurückgewonnen.

Über einen einzigartigen Gehölzbestand verfügt der Greizer Park. Das hier schon früh begonnene Pinetum – eine Sammlung von Nadelgehölzen – wird in Abstimmung auf die historische Konzeption durch gezielte Nachpflanzungen ergänzt und für die Zukunft erhalten.

Als exotische Pflanze und prachtvolle Frucht war die Ananas äußerst begehrt. Im Park von Schloss Sondershausen gelang ihre gärtnerisch anspruchsvolle und aufwändige Kultur über einen langen Zeitraum bis ins 19. Jahrhundert.

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse an Gartenkunst und Botanik auch bei den Bürgern. Der Garten am Kirms-Krackow-Haus veranschaulicht diese Entwicklung. Hier entstand ab 1750 ein privates Paradies mit reichem Blumenschmuck und vielfältigen Obstsorten.

Auch die Peterskirche besaß ein Paradies. Als „paradiso“ wurde in den lateinischen Quellen die einst vorhandene Vorkirche bezeichnet, durch die man im Mittelalter in die Kirche gelangte. Die Peterskirche ist nicht nur Ausstellungsgebäude, sondern in ihrer hohen künstlerischen Qualität und kulturhistorischen Bedeutung auch ein Hauptexponat der Ausstellung. Auf ihre Geschichte, ihre Architektur, die wertvollen Wandmalereien und die Sanierung wird in der Ausstellung eingegangen. Die Architektur der Peterskirche umschließt die in der Ausstellung präsentierten Gärten wie die Einfriedung eines Gartens. Daraus erschließt sich das Leitbild der Ausstellung: der Hortus conclusus (lat. geschlossener Garten).

Stallgebäude, Pferdeschwemmen, Reitplätze – historische Schlossanlagen sind bis heute davon geprägt, dass der Umgang mit Pferden ein zentraler Bestandteil der höfischen Kultur war, der keineswegs im Verborgenen stattfand. In der Reihe der Jahrbücher der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist dazu jetzt ein neuer Sammelband erschienen. Unter dem Titel „Hippomanie am Hofe“ versammelt er reich bebilderte Beiträge von Experten unterschiedlicher Disziplinen.

Das Züchten und Halten der Pferde, das Beherrschen der Reitkunst, aber auch die Bauten und Ausrüstungsgegenstände dienten in diesem Kontext nicht nur praktischen und militärischen Zwecken und dem gesellschaftlichen Vergnügen, sondern erfüllten zugleich repräsentative Funktionen.

Die mit großem Aufwand verbundene Haltung und Pflege von Pferden bot sich, ähnlich wie die Orangeriekultur oder das Sammeln von Kunst und exotischen Naturalien, als Mittel sozialer Unterscheidung an. Viele Höfe nutzten dies, um ausgehend von zeit- und standesgebundenen Standards individuelle Signale zu setzen, die von den Zeitgenossen erkannt und gedeutet werden konnten. Die notwendigen Aufgaben wie zügige Fortbewegung oder das Transportieren von Lasten erhielten durch das auf vielfältige Weise inszenierte Verhältnis von Mensch und Tier einen zeremoniellen Rahmen.

Der Band beleuchtet anhand vieler Beispiele, welche Funktionen die Pferdekultur in der innerhöfischen Kommunikation und in der Außendarstellung übernehmen konnte und wie sich in diesem Zusammenhang die Architektur der Marställe und Reithäuser entwickelte. Zudem geht es um Fragen zur Entstehung und Aufgabe von Gestüten und Reitschulen, zur Verbreitung hippologischen Wissens sowie zur Zucht und Pflege bevorzugter Rassen. Auch die Verwendung von Kutschen und Ausrüstungsgegenständen wird exemplarisch vorgestellt.

Hippomanie am Hofe, Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Band 22, Petersberg 2019, 240 Seiten, 4-farbig, ISBN 978-3-7319-0768-8, 34,90 Euro.

Das 1982 durch einen Brand schwer geschädigte Schloss Altenstein in Bad Liebenstein wird mit Bundesmitteln aus dem Programm Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland wiederhergestellt. Nach seiner Gesamtsanierung soll die ehemalige Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen ein lebendiger Treffpunkt für Musik und Kultur werden. Insbesondere Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, auch Theaterherzog genannt, empfing hier Künstler und Gäste zu Gesprächen und Konzerten. Zu diesen Gästen gehörte unter anderen Johannes Brahms. An dessen Besuche 1894 und 1895 erinnert eine Brahms-Gedenkstätte im Schloss, die zusammen mit einem Chinesischen Kabinett als erste Räume im Schloss eingerichtet wurden. Sie beherbergen eine großzügige Schenkung des Musikwissenschaftlerpaares Hofmann aus Lübeck.

Wie die Innengestaltung künftig aussehen soll, darüber informiert eine soeben erschienene Broschüre, herausgegeben von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Sie gibt Einblicke in das Gestaltungs- und Nutzungskonzept sowie die Ziele für die Wiederherstellung der Innenräume des Schlos-ses, entwickelt vom Büro Mücklausch Altemüller – Architek-tur Kunst MAAK2. Die Ideen basieren auf den Gestaltungsvorstellungen Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, ergänzt durch einen modernen Konzertsaal.

Broschüre „Schloss Altenstein.Denkmal-Konzept-Perspektiven“. Herausgegeben von der Stiftung Thüringer Schlös-ser und Gärten, 2019, 24 Seiten, kostenfrei erhältlich im Informati-onszentrum Altenstein (Hofmarschallamt von Schloss Altenstein).

Führungen durch die Brahms-Gedenkstätte noch bis Ende Oktober: 3.10., 5.10., 6.10. und 31.10., nur mit Voranmeldung bei der Tourist-Information Bad Liebenstein, unter 03 69 61 /6 93 20.

Der im Mai vergangenen Jahres begonnene Abschnitt im nordöstlichen Bereich der Ringmauer von Burg Weißensee ist saniert. Die Maßnahme war nötig, da Ausbrüche in der Mauer ihre Standsicherheit akut gefährdeten. Ferner erfolgten Sanierungsarbeiten an einem eingestürzten Mauerbereich südlich des Burgtors. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten investierte rund 580.000 Euro.

Im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten reinigte man das Mauerwerk, schadhafte oder fehlende Bereiche wurden ergänzt sowie in Gänze neu verfugt. Um die Standfestigkeit der Wehranlage herzustellen, waren aufwendige Grundsicherungsmaßnahmen wie Stützpfähle im Mauergrund notwendig. Der nächste Sanierungsabschnitt der Ringmauer betrifft den unmittelbar westlich anschließenden Mauerbereich hinter dem ehemaligen preußischen Landratsamt. Dort befindet sich auch ein historischer Treppenabgang, der zurzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt ist, nach der Sanierung aber als zweiter Rettungsweg dienen soll. Vor diesem Mauerabschnitt wird allerdings erst die Haube des Palasturms saniert und wieder eingedeckt. Diese Arbeiten sind bis 2021 vorgesehen.

Der massive Mauerring von Burg Weißensee entstand im 12. und 13. Jahrhundert und stammt somit in Teilen aus der Gründungszeit der Burganlage.

Foto: Burg Weißensee, Ringmauerabschnitt nach der Sanierung.
Petra Hinreiner, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Archäologische Untersuchungen an der Nordmauer von Schloss Bertholdsburg haben eindrucksvolle Befunde zutage gefördert, darunter die Fundamente eines massiven, zweischaligen Rundturms unter der Nordostecke der Bertholdsburg.

 

Die Grabungskampagne unter fachlicher Leitung des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie steht in Zusammenhang mit der Sanierung der Wehrmauer von Schloss Bertholdsburg, die die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten seit 2018 durchführt. Die Funde stammen aus dem Bereich der Nordmauer. Als bedeutendste Entdeckung der aktuellen Kampagne können die Fundamente des Rundturms gelten. Es handelt sich nach der archivalischen Überlieferung um den sogenannten Totenturm, der bereits in einem Plan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr verzeichnet ist, das heißt zu diesem Zeitpunkt schon abgebaut war. Darüber hinaus wurde im Verlauf der Nordmauer unerwartet ein nachträglich wieder zugesetzter Torbogen mit Türangelstein auf der Zwingerseite freigelegt, weiterhin eine sorgfältig gesetzte Pfeilervorlage und ein Mauerzug, die wohl der beidseitigen Stabilisierung der Wehrmauer gedient haben. Das geborgene Fundmaterial umfasst neben zahlreichen Keramiken, darunter Fayence Arnstädter Provenienz, Steinzeug sowie ostasiatischem und Meißener Porzellan auch glasierte Ofenkacheln und diverse Kleinfunde wie Münzen und Buchschließen. Tierknochen, Austernschalen und Bruchstücke von Tonpfeifen geben spannende Einblicke in die Ernährung und den ausgiebigen Tabakkonsum der Schlossbewohner.

Die Sanierung der Wehrmauer war notwendig geworden, weil einige Bereiche als nicht mehr standsicher eingestuft wurden. Die Nordmauer weist von ihrer Mauerstruktur her ein sehr inhomogenes Bild auf. Großenteils fehlt die Verfugung oder ist gerissen, der Mörtel ausgewaschen. Im mittleren und östlichen Bereich sind Teilausbrüche erfolgt, die schon früher notgesichert werden mussten. Große Abschnitte der teilweise einsturzgefährdeten Nordmauer wurden im vergangenen Jahr verankert und neu aufgebaut.

Der derzeitige Abschnitt umfasst die Bruchsteinmauer  aus Buntsandstein vom westlichen Erker bis zur Kirche mit einer Länge von rund 48 Metern und drei bis vier Metern Höhe. Das Mauerwerk und die Fugen müssen gereinigt und steinrestauratorisch bearbeitet werden, um das historische Erscheinungsbild der Mauer wieder herzustellen. Es sind aber auch konstruktive Maßnahmen an den Mauerschalen sowie im Fundamentbereich notwendig, um die Standsicherheit zu gewährleisten. Bis Mitte 2019 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Für die gesamte Mauersanierung werden rund 1,2 Millionen Euro eingesetzt.

Schloss Bertholdsburg wurde 1226 bis 1232 unter Graf Poppo VII. von Henneberg errichtet und war bis zum Aussterben 1583 Residenzschloss der Grafen von Henneberg-Schleusingen. Die Vierflügelanlage ist die älteste Residenz in Thüringen.

Hinweis

Am Samstag, 8. Juni, bietet Herr Dr. Seidel, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und Leiter der Grabungskampagne, um 10 Uhr, eine öffentliche Führung zu den archäologischen Funden an. Treffpunkt ist am Grabungsgelände. Die Teilnehmerzahl ist aufgrund der Baustellensituation auf 20 Personen begrenzt.

 

Das marode Entwässerungsnetz von Schloss Sonderhausen muss erneuert werden. Die Leitungen sind sehr alt und haben durch Sen-kungsbewegungen im Baugrund, die vom früheren Kali-Abbau herrühren, erhebliche Schäden davon getragen.

Zwei Abschnitte im nordöstlichen und südlichen Außenbereich des Schlosses sind bereits saniert, nun stehen von Mai bis Oktober umfangreiche Arbeiten im Schlosshof bevor. Die Erneuerung der Leitungstrassen ist auch Grundvoraussetzung für die künftigen statischen Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen am Alten Nordflügel und am Turm. Hier war kontinuierlich Wasser in die Gründung eingesickert, was auch zur Gefährdung der Gebäudestandsicherheit beigetragen hat. Vorsorglich werden die Rohre aus biegsamem Material verlegt und in einen fließfähigen Flüssigboden aus Kunststoff gebettet. Damit lassen sich Beeinträchtigungen durch mögliche Bodenbewegungen reduzieren. Die Sanierung betrifft auch die kunstvoll angelegte Schlosshofpflas-terung aus dem 19. Jahrhundert. Das Kalksteinpflaster ist konzentrisch auf den Brunnen ausgerichtet, zu den Hofecken hin läuft es in Bahnen aus, so dass sich ein eindrucksvolles Gesamtbild ergibt. Entlang des Westflügels und des Neuen Nordflügels sind Laufzonen aus großformatigen Platten eingelassen. Um die Eingriffe in die historische Pflasterung so gering wie möglich zu halten, werden die Kanaltrassen weitgehend innerhalb der Laufzonen verlegt. Die Laufzonen werden dann mit materialgleichen Platten auch auf den Bereich des Alten Nordflügels ausgeweitet. Damit wird zusätzliche die barrierefreie bzw. barrierearme Erschließung zur Hofküche, zum Sterngewölbe und den Sanitäranlagen im Alten Nordflügel erreicht. Die verbleibende Trassierung der Kanäle orientiert sich soweit möglich am Verlegemuster des historischen Pflasters. Die Lei-tungstrassen werden zusätzlich für die neue Stromversorgung genutzt. Rund 700.000 Euro werden für die Maßnahme benötigt.

Die Begehbarkeit des Schlosshofs ist bereits ab Oktober gewährleis-tet. Die Wiederherstellung der Pflasterflächen erfolgt in der ersten Hälfte 2020, so dass der Schlosshof voraussichtlich im Sommer 2020 wieder für die Thüringer Schlossfestspiele zur Verfügung steht.

Foto: Historische Pflasterung im Schlosshof von Schloss Sondershausen, Rimbachplan, Bad Liebenstein-Schweina