Wer einen Garten hat, nennt ein kleines Paradies auf Erden sein Eigen. Diese noch heute präsente Vorstellung ist uralt und fand einen Höhepunkt im Mittelalter. Vor allem die Klostergärten dienten nicht nur der Versorgung, sondern waren auch Orte der Andacht. In ihrer Struktur und Gestaltung bildeten sie Vorstellungen vom Paradies ab. Einen solchen Vorgeschmack auf das Paradies besaß auch das Erfurter Peters-kloster, eines der bedeutendsten Klöster in Thüringen.

Ausgehend von den Gärten auf dem Erfurter Petersberg gewährt am 16. Juni ab 18 Uhr Dr. Rita Hombach mit einem kostenfreien Vortrag in der Klosterkirche St. Peter und Paul Einblicke in die Welt der mittelalterlichen Klostergärten. Zahlreiche Beispiele und zeitgenössische Darstellungen machen die theologische Symbolkraft von Gärten und Pflanzen im Denken des Mittelalters anschaulich.

Dr. Rita Hombach ist Kunsthistorikerin und arbeitet als Ausstellungskuratorin. Für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten hat sie die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ erarbeitet.

 

Vortrag „Mittelalterliche Klostergärten als Paradiesgärten“

Dr. Rita Hombach, Kuratorin der Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“

Donnerstag, 16. Juni 2022, 18 Uhr

Klosterkirche St. Peter und Paul, Erfurt

Eintritt frei

 

Abbildung: Die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ greift mittelalterliche Paradiesvorstellungen auf, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Philipp Hort

 

Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“

Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt

bis 31.10.2022

Di-So 10-18 Uhr

Tickets: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, Familienticket ab 16 Euro

Feierabendticket ab 17 Uhr: 4 Euro

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogamm:

Museum Paradiesgärten Startseite | Klosterkirche St Peter und Paul

 

 

Weitere Vortragstermine:

 

30.6.2022

Orangerien als Ausdruck höfischer Repräsentation am Beispiel der herzoglichen Orangerie Gotha

Jens Scheffler, Gotha

 

7.7.2022

Die Orangerie von Bendeleben

Dr. Martin Baumann, Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

 

14.7.2022

Wissen wächst im Garten. Zur Bedeutung historischer Gärten

Inken Formann, Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

 

1.9.2022

Kunstvolle Blumen-Stickereien – Teppichbeete in der Gartenkunst und gärtnerischen Praxis im Altensteiner Park

Dr. Daniel Rimbach und Margret Most, Bad Liebenstein

 

8.9.2022

Vereinbarkeit von Gartendenkmalpflege und Naturschutz in historischen Gärten

Stefan Wallerius, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

 

15.9.2022

Klimawandel – eine Herausforderung für die Gartendenkmale

Dr. Doris Fischer, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Am Teppichbeet im Schlosspark Altenstein ist die Sommerbepflanzung in vollem Gang. Rund 8.200 Pflanzen platziert das Team der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten um Parkverwalter Toni Kepper und Zierpflanzengärtnerin Margret Most nach vorbereitetem Muster in dem berühmten Schmuckbeet. Bis zum 14. Juni soll alles fertig sein.

Die Bepflanzung des Beets folgt historischen Vorbildern, die durch Fotos und Postkarten überliefert sind. Das Teppichbeet entstand um 1890 und erfreute sich schnell großer Bekanntheit, Garten- und Reisezeitschriften sorgten für überregionale Aufmerksamkeit. Von Jahr zu Jahr wechselten die Muster und Motive, auf die heute wieder zurückgegriffen wird. Charakteristisch sind die Farbkontraste, die nicht durch Blüten, sondern durch die unterschiedliche Färbung der Blätter erzeugt werden. Zum Einsatz kommen in großem Umfang Sukkulenten, besondere Akzente setzen in den Boden eingelassene Palmen.

Das Teppichbeet ist eine Aufgabe für das ganze Jahr. Die Vorbereitungen beginnen bereits im November des Vorjahres. Ein Motiv wird ausgewählt und in Pflanzschablonen umgesetzt. Parallel müssen je nach Motiv die passenden Pflanzen kultiviert werden. Die Pflanzung selbst beginnt dann mit dem Markieren der Flächenstrukturen und dem Einsetzen der markanten Solitäre, anschließend werden die Flächen gefüllt. Wenn die Pflanzung abgeschlossen ist, macht das Beet weiterhin weil Arbeit. Vom Pflanzgerüst aus müssen die Pflanzen gestutzt und die Konturen regelmäßig nachgeschnitten werden. Wie bei jedem Beet sind das Unkrautjäten und das Gießen unerlässlich.

Foto: Zierpflanzengärtnerin Margret Most und ihre Kollegen beim Bepflanzen des Teppichbeets, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Toni Kepper

Im Herzoglichen Park Gotha führt der Leinakanal wieder Wasser und speist die Wasserkunst am Schlossberg. Der durch den Park verlaufende Kanalabschnitt war nach einem Uferschaden nahe dem Teeschlösschen zwischenzeitlich trockengelegt worden. Nun sind eine eingestürzte Begrenzungsmauer sowie die Uferbefestigung repariert und der Kanal wieder in Betrieb.

 

Nach dem Einsturz eines Teils der Ufermauer hatte ein Starkregen im vergangenen Winter einen Durchbruch der Uferbefestigung verursacht. Der betroffene Mauerabschnitt gehört zu einem an den Park angrenzenden Nachbargrundstück, das damals im Zuge eines Bauvorhabens teils tief ausgehoben war. In Abstimmung mit Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Unterer Denkmalbehörde und zuständiger Wasserbehörde entwickelte der benachbarte Bauherr in eigener Initiative ein denkmalgerechtes Wiederherstellungskonzept. Dafür gab es nach zügiger konstruktiver Abstimmung vorfristig grünes Licht. Für etwas Verzögerung sorgten allerdings Lieferschwierigkeiten beim Material.

 

Wasserbauten werden im historischen Verfahren üblicherweise mit bis zu 80 Zentimeter dicken Lehmschichten abgedichtet. Die Reparatur wurde nun mit vorgefertigten, stark verdichteten Tonelementen in deutlich geringerer Stärke umgesetzt. Außerdem wurde die Ufermauer instandgesetzt.

 

Der Leinakanal schlängelt sich über fast 30 Kilometer Länge von Schönau v. d. Walde bis nach Gotha und überwindet dabei rund 100 Höhenmeter. Kurz vor seinem Ziel, der Wasserkunst, durchquert er den Herzoglichen Park und speist auch die Parkteiche im Englischen Garten. Der Kanal wurde bereits im 14. Jahrhundert angelegt und zählt zu den besonderen technischen Denkmalen Thüringens. Die Überwindung des Höhenunterschieds bei gleichmäßigem Gefälle über eine Luftlinie von 12 Kilometern durch hügeliges Terrain war ohne die heutigen Karten und Messinstrumente eine ingenieurtechnische Herausforderung.

 

Abbildung:

Einbringen der Abdichtung bei den Reparaturarbeiten im Mai, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Jens Scheffler

Auf Schloss Heidecksburg ist der Fußweg am nördlichen Hang des Schlossbergs unterhalb des Horentempels im Schlossgarten wieder geöffnet. Er wird während der Schließzeiten der Gartentore gern als Verbindungsweg benutzt. In den vergangenen Wochen war die unmittelbar angrenzende Stützmauer notgesichert worden. Nun strebt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die grundlegende Sanierung des Mauerabschnitts an. Der Zeitplan dafür ist abhängig von den Kosten, die im Rahmen der anstehenden Planung ermittelt werden.

Bei der regelmäßig durchgeführten Überprüfung der Stütz- und Umfassungsmauern der Schlossanlage hatte sich im vergangenen Winter gezeigt, dass die Verkehrssicherheit entlang der Mauer nicht mehr zu garantieren war. Eine vorübergehende Sperrung und die Notsicherung waren die Folge. Während der Notsicherung wurden die Säulenschäfte von der Mauerkrone abgenommen, die als künstliche Fragmente zum klassizistischen Ensemble des Horentempels gehören. Von ihnen ging zwar keine unmittelbare Gefahr aus, jedoch belasteten sie die Mauer zusätzlich. Bei der späteren Sanierung werden sie wieder aufgesetzt.

Ab dem Pfingstwochenende präsentiert die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten auf den Dornburger Schlössern zwei neue Sonderausstellungen. Aktuelle Kunstwerke rund um das Material Papier zeigt die Ausstellung „blatt gemacht“, eine Kooperation mit dem Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. Einblicke in die Zeitgeschichte gewährt die Ausstellung „100 Jahre Dornburger Schlösser 1922-2022“.

In der Hofstube im Renaissanceschloss ist ab Pfingstsamstag die Ausstellung „blatt gemacht“ zu sehen. In der Kooperationsausstellung des Verbands Bildender Künstler Thüringen e.V. und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zeigen 19 Gegenwartskünstler Arbeiten mit und aus Papier. Der Ausstellung ging ein Bewerbungs- und Auswahlprozess mit gemeinsamer Jury voran. Die gezeigten Arbeiten wurden meist eigens für die Ausstellung konzipiert. Es handelt sich bereits um die vierte Ausstellung im Rahmen der Zusammenarbeit der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit dem Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. mit einem thematischen Rahmen, der den Genius Loci der Dornburger Schlösser und Gärten mit aktuellen künstlerischen Ansätzen verknüpft. Ideengebend war diesmal das Motto der Thüringer Schlössertage „Aufgeblättert“.

Am Pfingstsonntag um 14 Uhr wird die Ausstellung „100 Jahre Dornburger Schlösser 1922-2022“ eröffnet. Sie ist teils in den Museumsrundgang eingestreut, macht aber auch einen sonst nicht besichtigenden Raum im Renaissanceschloss vorübergehend zugänglich.

Seit 100 Jahren sind die Dornburger Schlösser als Museum zugänglich – zunächst in der Obhut der Goethe-Gesellschaft, später als Teil der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur (NFG), der Klassik Stiftung Weimar und heute im Bestand der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Deutungen und Schwerpunkte wandelten sich, der Aufenthalt Goethes 1828 blieb dabei immer Fixpunkt der inhaltlichen Ausrichtung. Nun greift eine Ausstellung die jüngere Geschichte der Dornburger Schlösser und Gärten als Ausflugsziel, Goethegedenkstätte und Museum auf.

Immer wieder begegnen im Museumsrundgang und den Gärten Tafeln mit historischen Postkartenmotiven, die Aspekte der Tourismusgeschichte, der Denkmalpflege und der inhaltlichen Ausrichtung der Dornburger Schlösser in der Zeit seit 1918 beleuchten. Zudem ist im Obergeschoss des Renaissanceschlosses ein Kabinettraum eingerichtet, der im üblichen Rundgang nicht zu sehen ist. Der in den 1960er Jahren durch den damaligen Direktor der NFG geprägte Raum neben Resten der historischen Einrichtung ausgewählte Objekte zur Museumsgeschichte.

 

blatt gemacht. Papier als schöpferisches Material | Positionen der Gegenwartskunst

  1. Juni bis 7. August

Dornburger Schlösser, Renaissanceschloss, Hofstube

 

100 Jahre Museum Dornburger Schlösser. Geschichte(n) in Postkarten

  1. Juni bis 31. Oktober 2022

Dornburger Schlösser, Rundgang in den Schlössern und Gärten

 

www.dornburg-schloesser.de

 

 

Abbildung

Quellenvielfalt – historische Postkarten im Dornburger Renaissanceschloss, Foto Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Fanny Rödenbeck

Im kulturellen Erbe Thüringens haben historische Parks und Gärten einen besonderen Platz. Vor allem die fürstlichen Gärten sind in besonders hoher Dichte anzutreffen. Daneben entstanden, vor allem am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, zahlreiche vornehme Villengärten, so etwa der Park Bergfried in Saalfeld. Aber auch Friedhöfe, Alleen, Kleingärten und andere Freiräume gehören zum reichen gartenkünstlerischen Erbe.

Der ganzen Bandbreite der Thüringer Gartenkunst widmet sich Dr. Martin Baumann vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in einem Vortrag am 24. Mai in der Herzoglichen Orangerie Gotha. Dabei kommen Gartenkünstler zur Sprache wie Her-mann Fürst von Pückler-Muskau, Carl Eduard Petzold, Henry van de Velde, Hermann Muthesius, Thilo Schoder, Heinrich Siesmayer, Lossow und Kühne, Max Bromme und Reinhold Lingner. Vor allem aber geht es um die oft jahrhundertelange Kontinuität, mit der die Anlagen gepflegt und weiterentwickelt wurden, so etwa der Camposanto in Buttstädt seit dem 16. Jahrhundert.

Dr. Martin Baumann absolvierte eine Lehre als Landschaftsgärtner, bevor er an der Universität Hannover Landschaftsarchitektur studierte. Seit 1996 ist er als Referent für Gartendenkmalpflege beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, wo er inzwischen die Abteilung Inventarisation leitet. 2001 wurde er mit einer Arbeit über den Gartenarchitekten Leberecht Migge promoviert. Baumann legte zahlreiche Veröffentlichungen zu Gartendenkmalpflege und Gartengeschichte in Thüringen vor, beispielsweise ist er Herausgeber des Buchs „Blumenstadt Erfurt“.

 

Vortrag „Gartenkultur in Thüringen“

Dr. Martin Baumann, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Donnerstag, 2. Juni 2022, 18 Uhr

Klosterkirche St. Peter und Paul, Erfurt

Eintritt frei

 

Abbildung

Schlossgarten Molsdorf – ein besonders originelles Beispiel der Gartenkultur in Thüringen, Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn

 

Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“

Klosterkirche St. Peter und Paul in Erfurt

bis 31.10.2022

Di-So 10-18 Uhr

Tickets: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, Familienticket ab 16 Euro

Feierabendticket ab 17 Uhr: 4 Euro

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogamm:

Museum Paradiesgärten Startseite | Klosterkirche St Peter und Paul

 

 

Weitere Vortragstermine:

 

16.6.2022

Mittelalterliche Klostergärten als Paradiesgärten

Dr. Rita Hombach, Köln

 

30.6.2022

Orangerien als Ausdruck höfischer Repräsentation am Beispiel der herzoglichen Orangerie Gotha

Jens Scheffler, Gotha

 

7.7.2022

Die Orangerie von Bendeleben

Dr. Martin Baumann, Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

 

14.7.2022

Wissen wächst im Garten. Zur Bedeutung historischer Gärten

Inken Formann, Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

 

1.9.2022

Kunstvolle Blumen-Stickereien – Teppichbeete in der Gartenkunst und gärtnerischen Praxis im Altensteiner Park

Dr. Daniel Rimbach und Margret Most, Bad Liebenstein

 

8.9.2022

Vereinbarkeit von Gartendenkmalpflege und Naturschutz in historischen Gärten

Stefan Wallerius, Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen

 

15.9.2022

Klimawandel – eine Herausforderung für die Gartendenkmale

Dr. Doris Fischer, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

 

gefördert durch

Im Fürstlich Greizer Park ist es in den letzten Tagen zu Abbrüchen größerer gesunder Äste aus einigen Bäumen gekommen. Die Schäden wurden inzwischen beseitigt. Grund für die Ausbrüche ist die Reaktion der Bäume auf Trockenstress – wenn nicht mehr die gesamte Baumkrone versorgt werden kann, brechen Teile davon spontan und unvorhersehbar aus. Dieses Phänomen ist infolge der Klimaveränderungen in den letzten Jahren allgemein immer häufiger zu beobachten.

Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten lässt im Rahmen der Verkehrssicherung die Bäume in ihren Gartenanlagen regelmäßig auf Totholz und Standsicherheit untersuchen, so auch die Gehölze im Fürstlich Greizer Park. Spontane versorgungsbedingte Astausbrüche lassen sich jedoch selbst durch die gründlichen und kontinuierlichen Überwachungen nicht vorhersagen und verhindern.

Abbildung

Astausbruch im Fürstlich Greizer Park, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Dietger Hagner

 

In den Dornburger Schlossgärten kündigt sich der Sommer an – die ersten der zahllosen Rosen blühen bereits, nun läuft der Wechsel von der Frühjahrs- zur Sommerbepflanzung. Die Schmuckbeete im Landschaftsgarten um das Renaissanceschloss, im Rosarium und im Rokokogartens werden vom Gärtnerteam der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten neu bepflanzt. Bis zum Himmelfahrtswochenende soll der Sommerflor komplett sein.

Rund 450 Pflanzen des Sommerflors werden in der Schlossgärtnerei selbst gezogen, darunter Fuchsschwanz und Studentenblume, zugekauft wurden knapp 2.000 Pflanzen wie Löwenmäulchen,  Vanilleblume und Ziertabak. Auch die 85 Kübelpflanzen sind wieder im Freien aufgestellt, etwa die beliebten Fuchsien, aber auch Oleander und Agapanthus.

Abbildung

Sommerbepflanzung im Rundbeet am Renaissanceschloss, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Fanny Rödenbeck

 

Im kulturellen Erbe Thüringens haben historische Parks und Gärten einen besonderen Platz. Vor allem die fürstlichen Gärten sind in besonders hoher Dichte anzutreffen. Daneben entstanden, vor allem am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, zahlreiche vornehme Villengärten, so etwa der Park Bergfried in Saalfeld. Aber auch Friedhöfe, Alleen, Kleingärten und andere Freiräume gehören zum reichen gartenkünstlerischen Erbe.

Der ganzen Bandbreite der Thüringer Gartenkunst widmet sich Dr. Martin Baumann vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in einem Vortrag am 24. Mai in der Herzoglichen Orangerie Gotha. Dabei kommen Gartenkünstler zur Sprache wie Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Carl Eduard Petzold, Henry van de Velde, Hermann Muthesius, Thilo Schoder, Heinrich Siesmayer, Lossow und Kühne, Max Bromme und Reinhold Lingner. Vor allem aber geht es um die oft jahrhundertelange Kontinuität, mit der die Anlagen gepflegt und weiterentwickelt wurden, so etwa der Camposanto in Buttstädt seit dem 16. Jahrhundert.

Dr. Martin Baumann absolvierte eine Lehre als Landschaftsgärtner, bevor er an der Universität Hannover Landschaftsarchitektur studierte. Seit 1996 ist er als Referent für Gartendenkmalpflege beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, wo er inzwischen die Abteilung Inventarisation leitet. 2001 wurde er mit einer Arbeit über den Gartenarchitekten Leberecht Migge promoviert. Baumann legte zahlreiche Veröffentlichungen zu Gartendenkmalpflege und Gartengeschichte in Thüringen vor, beispielsweise ist er Herausgeber des Buchs „Blumenstadt Erfurt“.

Bis Ende August folgen fünf weitere Vorträge zu Themen der Gartenkultur und Gartendenkmalpflege, jeweils an Dienstagen um 18 Uhr im Orangenhaus der Herzoglichen Orangerie Gotha.

 

 

Dienstag, 24. Mai 2022, 18 Uhr

Gartenkultur in Thüringen

Dr. Martin Baumann, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Herzogliche Orangerie Gotha, Orangenhaus

 

Abbildung

Herzogliche Orangerie Gotha, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Constantin Beyer

 

Weitere Termine der Vortragsreihe

 

7.6.2022, 18 Uhr

Gartenkünstler in Thüringen

Dipl.-Ing. Dietger Hagner, Gartenreferent der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

 

21.6.2022, 18 Uhr

Die Entwicklung des Herzoglichen Parks Gotha

Dipl.-Ing. Jens Scheffler, Parkverwalter des Herzoglichen Parks Gotha

 

28.6.2022

Kamelien für den Herzog

Matthias Hey, Gotha

 

5.7.2022

Die Orangerie als Statussymbol und Ausdruck höfischer Repräsentation in Gotha

Dipl.-Ing. Jens Scheffler, Parkverwalter des Herzoglichen Parks Gotha

 

23.8.2022

Klimawandel – eine Herausforderung für die Gartendenkmale

Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Der Denkort der Demokratie auf Schloss Schwarzburg hat ein interaktives Vermittlungsangebot erhalten. Es wurde heute vorgestellt. Unter dem Namen „Digitales Gästebuch“ bietet es im seit 2021 wieder teilweise nutzbaren Schloss-Hauptgebäude die Möglichkeit, sich auf einer Social Media Wall einzuschreiben, über Demokratieprojekte auszutauschen und in der Schlossgeschichte zu stöbern. Das Digitale Gästebuch ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG), der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen und des Fördervereins Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e. V. Insgesamt wurden für die Umsetzung des Projekts Mittel der IBA Thüringen in Höhe von rund 70.000 Euro eingesetzt.

Das Digitale Gästebuch hat seinen Platz im Emporensaal, in dem die historischen Brüche und Einschnitte in der Geschichte des Schlosses besonders eindrucksvoll abzulesen sind. Zwei verspiegelte Stelen mit Touchscreens bieten eine Social Media Wall zum Einschreiben über die sozialen Medien in das Digitale Gästebuch und vielfältige Inhalte rund um die Themen Demokratie und 900 Jahre Geschichte der außergewöhnlichen Schlossanlage. Spiegelelemente mit Schriftzügen laden zur Reflexion über die eigene Position innerhalb der Gesellschaft und Demokratie an. Ein großzügig gestalteter flexibler Sitzbereich bietet die Möglichkeit zum Austausch und Dialog, der über die Social Media Wall auch den Weg ins Digitale finden kann. Alle Elemente des Gästebuchs sind mobil und können in verschiedene Veranstaltungsformate, beispielsweise in Workshops, einbezogen werden. Das Konzept für die Umsetzung des Digitalen Gästebuch ging 2021 aus einem Wettbewerb hervor, in dem der Entwurf der Agentur C4 Berlin überzeugen konnte. Die Realisierung der interaktiven Elemente erfolgte bis Mai 2022.

Dr. Doris Fischer, Direktorin der STSG, freut sich über die Fortführung der erfolgreichen Partnerschaft mit der IBA Thüringen und dem Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e. V. in der Vermittlungsarbeit: „Wir freuen uns sehr, dass wir auf Schloss Schwarzburg nach dem sehr erfolgreichen Audiowalk durch Schlossanlage und Hauptgebäude gemeinsam mit unseren Partnern nun ein weiteres Vermittlungsformat auf die Beine stellen konnten. Es schlägt den Bogen von der vor allem im 20. Jahrhundert außergewöhnlichen Geschichte der Schlossanlage zur Gesellschaft der Gegenwart. Auch für die geplante Entwicklung von Schloss Schwarzburg zum außerschulischen Lernort ist das Digitale Gästebuch ein guter Baustein.“

Den Hintergrund für das Digitale Gästebuch bietet die außergewöhnliche Geschichte des Schlosses im 20. Jahrhundert – in den 1940er Jahren begannen die Nationalsozialisten, die ehemalige Nebenresidenz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt zum Reichsgästehaus umzubauen und hinterließen sie als Bauruine. Gut 20 Jahre zuvor hatte Reichspräsident Friedrich Ebert in unmittelbarer Nähe die erste deutsche demokratische Verfassung unterzeichnet. In den Jahrzehnten des darauf folgenden Leerstands hinterließen zahlreiche Menschen ihre Spuren an den Wänden des verfallenden Hauptgebäudes – eine Anregung, das Einschreiben heute in digitaler Form fortzusetzen.

Für Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen, erfüllt sich darin ein wichtiges Anliegen der IBA: „Leerstand trägt immer Geschichte in sich, insbesondere historisch bedeutsame Denkmäler. Schloss Schwarzburg zeigt die Brüche und Narben der Geschichte überdeutlich. Diesen zentralen Identifikationsort im Schwarzatal also nicht einfach zu sanieren, sondern die Spuren der Vergangenheit zu erhalten und damit die Geschichte der Demokratie zu stärken, ist Ziel des IBA Projekts. Das Digitale Gästebuch schafft zusätzlich interaktive Momente vor Ort und lädt zum gesellschaftlichen Diskurs ein, was Demokratie heute heißt und wie sie im ländlichen Raum gestärkt werden kann.“

Interessierte können das Digitale Gästebuch im Rahmen des Audiowalks „Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie“ entdecken. Die durch den Förderverein Schloss Schwarzburg betreuten Audiowalk-Führungen werden ab dem 21. Mai 2022 wieder an festen Terminen angeboten. Dr. Doris Fischer betont, wie wertvoll die enge Zusammenarbeit mit dem Förderverein Schloss Schwarzburg für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist: „Wir sind sehr dankbar für das große Engagement des Fördervereins, der an zahlreichen Wochenenden seit 2019 die Audiowalkführungen mit Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit durchführt und auch unermüdlich die aufwendige Organisation vor Ort übernimmt. Auch ohne die Unterstützung des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg Rudolstadt, das uns mit seiner Schwarzburger Außenstelle organisatorisch unterstützt, wäre das Angebot ebenfalls nicht möglich.“

Am 25. Juni haben alle Interessierten zudem Gelegenheit, das Digitale Gästebuch im Rahmen eines Tags der offenen Tür im Denkort der Demokratie zu entdecken und sich digital einzuschreiben.

Zwischen 2019 und 2021 konnten im Rahmen der IBA Thüringen die ersten beiden Räume im Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg für die Nutzung ausgebaut werden, gefördert durch das Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus. Vorausgegangen war eine etwa zehn Jahre währende nutzungsneutrale Sicherung des Gebäudes mit umfangreichen statischen Maßnahmen, der Sanierung des Daches und der Wiedererrichtung des nördlichen Gebäudeabschlusses mit Treppenhaus. Das Digitale Gästebuch ergänzt nun im Emporensaal die beiden als Denkort der Demokratie nutzbar gemachten Räume.

 

Termine und Buchungen für die Audiowalk-Führungen unter https://event.thueringerschloesser.de/schloss-schwarzburg-denkort-der-demokratie/audiowalk/

sowie unter 03 67 30 – 39 96 30

 

Abbildungen:

– Digitales Gästebuch im Emporensaal von Schloss Schwarzburg, IBA Thüringen, Thomas Müller

– Spiegelung der Decke des Emporensaals von Schloss Schwarzburg, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Anke Pennekamp

– Präsentation des Digitalen Gästebuchs am 19.5.2022, Foto: STSG, Franz Nagel