Rauchen polarisiert die Gesellschaft – schon immer. Den Kritikern des „Teufelskrauts“ standen die Verfechter des „Medizinalgewäches“ gegenüber, dem militanten Nichtraucher Goethe der Kettenraucher Schiller, dem prominenten Politiker mit teurer Edelzigarre die emanzipierte Filmdiva mit feiner Zigarettenspitze. Rauchen ist ungesund, keine Frage, prägte aber jenseits aller Debatten mehr als nur beiläufig die Gesellschaft und unseren Alltag – und tut es noch. Die Sonderausstellung fokussiert anhand ausgewählter Utensilien, teils prominenter (Weimarer) Herkunft, die Geschichte des Tabakkonsums im 19. Jahrhundert. Und ein eleganter Rauchertisch der klassischen Moderne – inszeniert im Rahmen des Ausstellungsparcours „Fremde Freunde. Moderne zu Gast in historischen Häusern“ – belebt den biedermeierlichen Salon zeitlich neu.


Sonderausstellung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar

Dornburg verzaubert bereits auf den ersten Blick, aber auch der zweite Blick auf das Detail lohnt genauer hinzusehen. Den Reiz stimmungsvoller und magischer Momente hat über Jahre hinweg die Schlossverwalterin Fanny Rödenbeck in Fotoimpressionen festgehalten und präsentiert diese in einer kleinen Zeitreise der Jahreszeiten.

In einer stimmungsvollen Werkschau präsentiert Patrick Larkin Gemälde, die in den letzten beiden Jahren entstanden sind. Es sind Landschaftsbilder, die Beobachtungen aus Farben, Formen und Licht versammeln und dennoch ihre atmosphärische Einheit beibehalten. So entstehen Ansichten, die bekannt erscheinen, ohne direkt erkennbar zu sein und auf den ersten Blick abstrakt wahrgenommen werden: Raum entsteht in Farbflächen mit bewusstem Verzicht auf Linien. Licht nutzt Patrick Larkin frei formbar und überträgt Farbe mit der Leichtigkeit eines erfahrenen Beobachters auf die Leinwand. Die Landschaften sind so als Reflexion auf Wasseroberflächen, in der Bewegung von Flüssen oder in der Stille eines Teichs zu entdecken, wenn Formen sich unter Wasser mit Spiegelung und Brechung aufzulösen beginnen. Was bleibt ist ein Abbild der Form, die Schönheit der Farbe, Poesie und der Klang des Lichtes.

Patrick Larkin, geboren in Surrey (Großbritannien), studierte Bildhauerei B.A. und Geschichte M.A. in London und wendete sich anschließend der Malerei zu. Er unterhielt Ateliers in London, Cornwall, der Steiermark und Berlin. Seit 2004 lebt und arbeitet er in Eisenach.

Eine dezentrale Ausstellung präsentiert im Jubiläumsjahr Postkarten mit Geschichte(n). Historische Motive laden zum Bildvergleich ein und das Direktorenappartement öffnet erstmalig mit einer Kabinettausstellung.

Flüchtige Skizze, detailverliebtes Künstlerbuch, expressive Druckgrafik oder dreidimensionale Arbeit, Papier ist nicht nur sprichwörtlich geduldig, sondern vielfach unscheinbarer Träger von
Kunst oder sogar Objekt selbst. Papier ist seit 2000 Jahren – im
reinsten Wortsinn – ein vielschichtiger Werkstoff, der als Schreib- und Verpackungsgrundlage genauso wenig wegzudenken ist wie als künstlerisches Material.


Von China aus trat es seinen Siegeszug an und kam über die ara
bische Welt und Spanien nach Europa. Im späten 14. Jahrhundert wurde Papierherstellung dann auch im deutschsprachigen Raum
betrieben. Damit konnte sich Papier im 15. Jahrhundert im frühen
Buchwesen als Material zum Beschreiben und Drucken durchsetzen. Von Anfang an war Papier Trägersubstanz für Gedanken und Ideen, für sprachliche und bildliche Gestaltung.

Aus einem wässrigen Faserbrei durch Verfilzung und Abschöpfen hergestellt, faszinierte das Material immer schon mit seiner grenzenlosen Vielfalt an Eigenschaften. Papier war gegenüber
dem schweren und spröden Pergament aus Tierhäuten nicht nur
deshalb so erfolgreich, weil es preiswerter in größeren Mengen hergestellt werden konnte. Es konnte einfach beschrieben,
bedruckt, beschnitten und bemalt werden. Damit inspirierte es
diejenigen, die mit ihm arbeiteten: Die Verwendung von Papier gab zum Beispiel der Federzeichnung als Buchillustration einen
enormen Schub; die Entwicklung der visuellen Kultur in Europa
wurde durch die Verwendung von Papier regelrecht protegiert. Mit der Erfolgsgeschichte des Papiers ging die Verbreitung von Bildern
und Bildbotschaften einher.

Renaissanceschloss, Hofstube
Vernissage: 5. Juni ) 14 Uhr

Eine dezentrale Ausstellung präsentiert im Jubiläumsjahr Postkarten mit Geschichte(n). Historische Motive laden zum Bildvergleich ein und das Direktorenappartement öffnet erstmalig mit einer Kabinettausstellung.

Renaissanceschloss, Rokokoschloss und Gärten
Vernissage: 5. Juni,  14 Uhr

Die Ausstellung präsentiert Werke von 16 Künstlerinnen und Künstlern des Verbandes Bildender Künstler Thüringen e. V., die eigens zum Thema WERDEN UND VERGEHEN erarbeitet wurden. Es sind Ergebnisse eines dreitägigen Pleinairs, das über die Pfingsttage in den Dornburger Schlössern und Gärten stattfand, einem der zahlreichen Außenstandorte der Bundesgartenschau in Erfurt.

Die Dornburger Schlösser mit ihrer außergewöhnlichen Lage am Felshang, ihrer Bau- und Kulturgeschichte, ihren verschiedenen Gartenanlagen und nicht zuletzt durch die Aufenthalte des Dichters und Naturforschers Johann Wolfgang von Goethe boten vielfältige Anknüpfungspunkte, sich mit der Thematik von WERDEN UND VERGEHEN künstlerisch auseinanderzusetzen. Mit dem Titel lehnt sich das Projekt inhaltlich an das Motto „Aufgegangen! Gartenlust und fürstliche Gewächse“ der geplanten, aber in diesem Jahr pandemiebedingt ausgefallenen Thüringer Schlössertage an und stellt ganz grundsätzliche Fragen nach dem Kreislauf der Natur und der Einbettung des Menschen in diesen immerwährenden Zyklus. Die Arbeiten behandeln – oft mit engen persönlichen Bezügen – vielfältige Aspekte dieser beiden scheinbar gegensätzlichen Grundprinzipien, die im Ganzen betrachtet doch zusammengehören, voneinander abhängen, sich gegenseitig beeinflussen. Es geht um das Sichtbarmachen von Verborgenem, um Wandlung und Veränderung, um Transformationsprozesse und dialektische Prinzipien – letztlich um elementare Fragen des Lebens und künstlerischen Schaffens.

Die Werke zeigen sowohl hinsichtlich ihrer inhaltlichen Ansätze als auch der Wahl der künstlerischen Medien eine große Vielfalt: Mit Zeichnungen, Malereien, Fotografien, Collagen, einem Video, Installationen, plastischen Arbeiten und solchen, die aus Aktionen während des Pleinairs hervorgingen, sind zahlreiche unterschiedliche Positionen vertreten. Ungefähr die Hälfte ist in der Hofstube des Renaissanceschlosses, dem Raum für Sonderausstellungen, zu sehen. Die andere Hälfte verteilt sich auf mehrere Räume der Dauerausstellung und nimmt Bezug auf die dort präsentierten Themen und Objekte bzw. räumlichen-architektonischen Situationen.

Die Ausstellung ist nach PRUNK UND PRACHT (2019) sowie TEILEN UND HABEN (2020) das dritte Projekt, das der Verband Bildender Künstler Thüringen e. V. und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gemeinsam in den Dornburger Schlössern und Gärten realisieren.

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind: Clivia Bauer (Arnstadt), Susanne Casper-Zielonka (Wasungen), Marianne Conrad (Erfurt), Sylvia Döhler (Erfurt), Gabriele Fecher (Weimar), Rüdiger Franke (Gotha), Sophie von Hayek (Erfurt), Marie-Luise Leonhardt-Feijen (Nottertal-Heilinger Höhen), Thomas Lindner (Erfurt), Nina Lundström (Weimar), Klaus Nerlich (Weimar), Matthias Richter (Weimar), Wolfgang Schwarzentrub (Gera), Uwe Steinbrück (Erfurt), Rosmarie Weinlich (Erfurt) und Kristin Wenzel (Gotha).

Ein Dank für die freundliche Unterstützung geht an die Thüringer Staatskanzlei und die Kulturstiftung Thüringen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

Mehr Informationen zum Verband Bildender Künstler Thüringen e.V.

„Heiter, munter, verständig, schön, weitläufig und doch übersehbar“, so lobte bereits Goethe 1828 die Vielfalt der Dornburger Gartenanlage. Dieser Beifall gebührt indirekt dem jungen Hofgärtner Carl August Christian Sckell (1801-1874). Im Gärtnerhaus von Schloss Belvedere bei Weimar geboren, entstammte er der berühmten Familiendynastie Sckell, die über Jahrhunderte in Thüringen ihre grüne Handschrift hinterlassen hat. Nach fundierter Ausbildung war er selbst ab 1823 ein halbes Jahrhundert als Gartenkondukteur und Schlossverwalter für Dornburg verantwortlich, diente drei Generationen Weimarer Großherzöge und verband die Gärten zu einem harmonischen Gesamterlebnis.

Die multisinnlich angelegte Ausstellung gibt Einblicke in die Schönheit der Schlossgärten zu allen (Jahres-)Zeiten, memoriert den Reichtum an Düften eines Gartens, macht Sckells Erinnerungen an den Goethe-Aufenthalt hörbar oder die Schwere des Alltags eines Hofgärtners greifbar. Selbst der Geschmack seiner Arbeit im Weinberg ist noch heute mit dem exklusiven Tropfen „Dornburger Schloßberg“ als Gaumenfreude zu genießen.

Das, was bereits Goethe über das einzigartige Ensemble schrieb, ist noch gut zweihundert Jahre später für Besucher erlebbar und trägt im Sinne der Gartendenkmalpflege Vision und Realität des Wirkens von Hofgärtner Sckell in sich.

Hofgärtner Sckell freut sich auf zahlreiche Besucher und hat selbst einiges zu den Dornburger Schlössern und vor allem zu den Schlossgärten zu sagen – hören Sie selbst:

 

 

Die berühmteste Tasse Tee Weimars ist gewiss am 20. Oktober 1806 gereicht worden. Johanna Schopenhauer schenkte sie an ihrem Teetisch der frisch vermählten Christiane von Goethe ein mit den zu einem Bonmot gewordenen Worten: „Wenn Göthe ihr seinen Namen giebt, können wir ihr wohl eine Tasse Thee geben.“ Zu diesem Zeitpunkt kannte man den exotischen Trunk aus China in Weimar schon seit mehr als 70 Jahren. Zuerst hatte Tee – übrigens gemeinsam mit Kaffee – die Hofgesellschaft erobert, wovon noch heute die im Schloss Belvedere zu sehende Porzellansammlung kündet, die ab etwa 1730 von den Weimarer Herzögen und Herzoginnen zusammengetragen wurde.

In den 1780er Jahren wurde das Heißgetränk auch in Weimars bürgerlichen Kreisen Mode und begründete mit Hilfe Goethes eine neuartige adelig-bürgerliche Geselligkeit, die beide Geschlechter umfasste und in ihrer Form immer freier wurde. Die in den 1790er Jahren voll entfaltete Weimarer Teegeselligkeit zeichnete sich durch ungezwungenen Umgang und meist anspruchsvolle Konversation aus. Statt materieller Repräsentation kam es auf  geistige Gaben an, angeregt durch Tee von ebenfalls möglichst erlesener Qualität. Um 1800 waren Treffen zum Tee zum Synonym für jede Art von Geselligkeit geworden. Die Ausstellung zeigt erstmalig den Reichtum der für Weimar typischen Teegeselligkeit, vom Familien- zum Spieltee, vom Tanz- zum Theatertee. Zu sehen sind die für eine Teegesellschaft unentbehrlichen Utensilien, von der Teemaschine über das Teeservice bis hin zum Teewärmer.

Kurator: Dr. Jens-Jörg Riederer
Kooperation von Klassik Stiftung Weimar und Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Eröffnung: 1. April 2021 – coronabedingt verschoben
Laufzeit: bis 31.Oktober 2022

 

Das handliche und inhaltsreiche Begleitbüchlein zur Ausstellung gibt es auch im Online-Shop.

 

Video: Friedrich Justin Bertuch und François Le Goullon über die Mode des Teetrinkens

Der Film von Christian Tanner und Fabrice Robardey ist an einer Medienstation in der Ausstellung zu sehen. Wir danken für die freundliche Genehmigung.

Nach der Bombardierung Weimars dokumentierte der Fotograf Günther Beyer inoffiziell die Zerstörungen. Sein Enkel Constantin Beyer, ebenfalls Fotograf in Weimar, zeigt sie in einer Ausstellung mit interessanten Hintergrundinformationen. Neben einer Panoramaansicht des Marktplatzes gibt es zahlreiche Bilder der schwer getroffenen Innenstadt zu sehen.

Die Sammlung Eva und Walter Glum

Die Dornburger Apothekerfamilie Glum war eng mit der Familie des Bauhaustöpfers Otto Lindig befreundet. So fanden sich im Glumschen Haushalt viele Keramiken aus der Werkstatt im nur wenige Meter entfernten Marstall. Darüber hinaus bilden die zahlreichen Fotographien, die Walter Glum anfertigte, ein wichtiges Zeitzeugnis der Dornburger Geschichte. Beide Sammlungskomplexe werden in dieser Ausstellung gezeigt, ergänzt um Lindig-Keramiken aus der Sammlung des Keramik-Museums, die nicht in der Dauerausstellung präsentiert werden.

(c) Keramik-Museum Bürgel