Nach mehr als 80 Jahren sind auf Schloss Schwarzburg erstmals wieder Innenräume des Schloss-Hauptgebäudes zu besichtigen. Am 15. Juli werden der Ahnensaal und der Emporensaal eröffnet. Realisieren konnte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten das Projekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen. Gemeinsam mit der IBA ist ein digitales Vermittlungsprojekt für die Räume in Planung. Bereits genutzt werden kann ein Audiowalk durch Anlage und Hauptgebäude, der durch den Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e.V. betreut wird.

Im Rahmen der IBA Thüringen konnte in den letzten Jahren ein Teil des Schloss-Hauptgebäudes für die Nutzung ausgebaut werden, gefördert durch den Freistaat Thüringen und das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Das Konzept von Architektin Christiane Hille, bereits 2012 aus einem Wettbewerb hervorgegangen, rückt die Ablesbarkeit von Zeitspuren in den Mittelpunkt. Der Ahnensaal, der ehemalige Hauptsaal des Schlosses, vermittelt mit seinen Ausstattungsfragmenten einen Eindruck der Raumkunst des 18. Jahrhunderts im Schloss. Der Emporensaal hingegen entstand in seiner Raumkubatur erst durch die Herausnahme von Decken und Wänden bei Abrissarbeiten in den 1940er Jahren. Die Wände beider Räume tragen Spuren der Schlossgeschichte vom barocken Ausbau über schwerwiegende Eingriffe in der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu Einschreibungen von Besuchern der Nachkriegszeit.

Damit wird ein neues Kapitel in der Geschichte von Schloss Schwarzburg aufgeschlagen, wie Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, erläutert: „Auf den Überresten einer beinahe hoffnungslos zerstörten Substanz wagen wir ein Experiment. Wir haben einen mutigen und denkmalpflegerischen Ansatz konsequent umgesetzt. Das Ergebnis wirkt emotional, will aber auch erklärt und vermittelt sein. Gerade in dieser Hinsicht sind wir besonders dankbar für die Kooperation mit unseren Partnern, allen voran der IBA Thüringen und dem seit Jahrzehnten wirkenden Förderverein.“

Emporensaal, Foto: IBA Thüringen, Thomas Müller

In den beiden Räumen sollen künftig Veranstaltungen stattfinden. Ihr Charakter als Spiegel der Geschichte bietet einen anregenden Rahmen zum Nachdenken über Demokratie und Gesellschaft. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Schwarzburg 1919 zum Schauplatz eines herausragenden historischen Ereignisses wurde: Während im Schloss der letzte 1918 abgedankte deutsche Fürst lebte, unterzeichnete Friedrich Ebert in einem benachbarten Hotel die erste demokratische Verfassung Deutschlands.

Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen: „Schloss Schwarzburg als ›Denkort der Demokratie‹ ist seit 2018 IBA Projekt und ein Vorhaben im Bundesprogramm der Nationalen Projekte des Städtebaus. Wir freuen uns, dass wir den Ahnen- und Emporensaal nun gemeinsam mit der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und unserem Kooperationspartner Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e.V. eröffnen. Dabei begreifen wir Schloss Schwarzburg mit seiner wechselvollen Geschichte als einen Ort für den Austausch über Demokratie, Selbstverantwortung, Toleranz und Weltoffenheit unserer Gesellschaft. Die nun fertiggestellten Räume haben dafür eine sehr aussagestarke Gestaltung gefunden.“

Ahnensaal, Foto: STSG, Franz Nagel

Als Denk- und Geschichtsort ist Schloss Schwarzburg ein echtes Schwergewicht. Die Anlage hat ihre Ursprünge im Mittelalter als Stammsitz der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Im Zusammenhang mit der Erhebung der Dynastie in den Reichsfürstenstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die frühere Burg zum repräsentativen Barockschloss mit Hauptgebäude, Schlosskirche, Kaisersaalgebäude und Zeughaus mit Schauwaffensammlung ausgebaut. In den 1940er Jahren begannen die Nationalsozialisten mit dem Umbau zu einem Reichsgästehaus. Als der Plan 1942 aufgegeben wurde, blieb die Anlage als Bauruine mit schwersten Schäden und Verlusten zurück.

Das Kaisersaalgebäude wurde bereits in den 1950er bis 1970er Jahren saniert. 2009 konnte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, seit 1994 Eigentümerin und zunächst vor allem mit den gefährdeten Stützmauern beschäftigt, mit der Sicherung und Sanierung des Zeughauses beginnen. Nach der Ergänzung des angrenzenden Torhauses als Erschließungsbau präsentiert dort seit 2018 das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Rudolstadt, das auch den Kaisersaal als Außenstelle betreibt, wieder die historische Zeughaussammlung. Ab 2010 wurden auch am Hauptgebäude nutzungsneutrale Sicherungen möglich. Im Mittelpunkt standen abschnittweise das Dach und die Statik des Mauerwerks, auch der Sandsteinportikus musste aufwendig gesichert werden. Der zerstörte nördliche Gebäudeabschluss wurde wieder ergänzt und mit einem Treppenhaus versehen. Zuletzt konnte auch der zwischenzeitlich verlustgefährdete Rest des Schlossturms gesichert werden. Dank einer stählernen Brücke zum Hauptgebäude dient seine Innentreppe nun als zweiter Fluchtweg.

Schloss Schwarzburg, Hauptgebäude mit Turm und Kaisersaalgebäude, Foto: IBA Thüringen, Thomas Müller

Die Förderung im Rahmen der IBA ermöglichte es, parallel zu den Sicherungsarbeiten ab 2018 in einen ersten Abschnitt des Ausbaus von Innenräumen einzusteigen. Im nördlichen Bereich des Schloss-Hauptgebäudes wurden Decken erneuert und Mauerwerk saniert. Der Emporensaal verdankt seinen Namen einer in diesem Zusammenhang eingezogenen Empore, die eine verlorengegangene historische Decke ersetzt und auch aus statischen Gründen notwendig war. Fenster wurden eingebaut, Elektroleitungen und Fußböden verlegt. Den krönenden Abschluss bildete die Konservierung der geschundenen Wände und Decken. In den beiden dabei entstandenen Veranstaltungsräumen ist die wechselvolle Schlossgeschichte mit vielen Brüchen ablesbar.

 

Das Raumerlebnis soll künftig ergänzt werden durch ein digitales Vermittlungsmedium, ein Digitales Gästebuch. Es soll mit eigens gestalteten Modulen im Raum nutzbar sein, aber auch die Interaktion von außen ermöglichen. Ein Ideenwettbewerb hat bereits stattgefunden, die Umsetzung beginnt in den nächsten Monaten. Die IBA Thüringen stellt dafür 70.000 Euro bereit.

 

Dazu Ulrike Rothe, Projektleiterin der IBA Thüringen: „Aktuell entwickeln wir gemeinsam mit der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und unserem Kooperationspartner Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e.V. ein ›Digitales Gästebuch‹, das im Sinne der Spuren- und Zeitenlese steht. Das ›Digitale Gästebuch‹ kommuniziert dabei die Geschichte des Ortes in Bezug auf die historisch markanten und gesellschaftlichen Wendepunkte sowie die internationalen Entwicklungen in Bezug auf die Demokratie. Das verwendete Medium soll vor allem zu einem lebendigen Austausch über Fragen der Demokratie im ländlichen Raum einladen. Außerdem wird es eine Auswahl von Einschreibungen durch unerlaubte Besucher an den Wänden der Schlossruine, ebenso wie fundierte Wortmeldungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zukünftig relevanter Veranstaltungsformate beinhalten.“

 

Die Kosten für das im Rahmen der IBA realisierte Projekt „Denkort der Demokratie“ belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro. Insgesamt hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bislang 7 Millionen Euro in das Schloss-Hauptgebäude investiert.

 

 

Tag der offenen Tür am 15. Juli 2021

 

Am 15. Juli sind der Emporen- und der Ahnensaal von 14.30 Uhr bis 17 Uhr im Rahmen eines Tags der offenen Tür mit Führungen zu besichtigen.

 

Audiowalk „Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie“

 Der Audiowalk „Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie“ führt vom nördlichen Schlossareal bis ins Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg. Dort können der Ahnensaal und der Emporensaal besichtigt werden. Neben allgemeinen Informationen zur gesamten Schlossanlage und ihrer fast 1000jährigen Geschichte gibt es Informationen zu den vergangenen und laufenden Bauarbeiten und den heutigen Akteuren vor Ort.

Den Rundgang begleitet eine Mischung aus mehrschichtigen Erzählungen und Originaltönen, verbunden durch Musikelemente. Im Außenbereich ist der Audiowalk als zusammenhängender Hörspaziergang gestaltet, die Besucher werden von einer Sprecherin über die Schlossanlage geleitet. Im Innenbereich können an Stationen die einzelnen Kapitel angesteuert werden.

Der Audiowalk „Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie“ ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, der IBA Thüringen und des Fördervereins Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e. V. Er wird gefördert durch das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Produziert wurde der Audiowalk von der Agentur musealis aus Weimar.

Erstmals konnten Interessierte 2019 mit einem Audiowalk das Hauptgebäude als Schaubaustelle besuchen und die laufenden Bauarbeiten mitverfolgen. Zum Abschluss der aktuellen Maßnahmen wurde der Inhalt überarbeitet. Der Audiowalk wird durch den Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e. V. begleitet. Das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg als Betreiber des Zeughauses und des Kaisersaals übernimmt dankenswerterweise den Buchungs- und Besucherservice auch für das Angebot im Hauptgebäude.

 

Audiowalk-Führungen – Termine 2021

Zeitraum: August bis September, nur mit Führung

Führungen: Sa, So 13.30 und 15.30 Uhr sowie auf Anfrage

Preis: Erwachsene: 5 Euro, Ermäßigte: 3 Euro, Frei: Kinder 12 bis 14 Jahre. Voranmeldung empfohlen über die Museumskasse im Torhaus (03 67 30/39 96 30)

Die Teilnahme am Audiowalk ist nur eingeschränkt möglich. Interessierte müssen Treppen steigen können.

  

Veranstaltungsreihe 2021

Schloss Schwarzburg – Denkort der deutschen Geschichte

Ort: Schloss Schwarzburg, Hauptgebäude, Ahnensaal und Emporensaal

Zeitraum: August und September, donnerstags, 18 Uhr

 

  1. August, Vortrag

Stammschloss – Barbarei – Denkort der Demokratie. Das Schicksal von Schloss Schwarzburg

Referentin: Dr. Doris Fischer, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

 

 

  1. August, Vortrag

Von der Burg zur Sommerresidenz. Zur Geschichte von Schloss Schwarzburg

Referentin: Sabrina Lüderitz, Thüringer Landesmuseum Heidecksburg

 

  1. September, Vortrag

Herausforderungen und Chancen einer Schaubaustelle

Referentin: Carola Niklas, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

 

  1. September, Vortrag und Gesprächsrunde

Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie und Haus der Weimarer

Republik in Weimar

Referenten: Stephan Zänker, Haus der Weimarer Republik – Forum für Demokratie c.o. Weimarer Republik e.V. und Förderverein Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e. V., Kristine Glatzel

 

  1. September, Gesprächsrunde

Digitales Gästebuch – Spuren- und Zeitenlese

Nationales Projekt des Städtebaus / IBA-Projekt Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie

Referenten: Dr. Marta Doehler-Behzadi und Ulrike Rothe, IBA Thüringen und Fabian Schludi, C4 Berlin

 

Änderungen vorbehalten.

 

Begrenzte Teilnehmerzahl. Wir bitten um Voranmeldung über die Museumskasse im Torhaus (03 67 30/39 96 30)

 

Die gültigen Hygienevorschriften und Abstandsregelungen sind einzuhalten. Wir bitten um Beachtung der zum Zeitpunkt der Veranstaltung gültigen Regelungen.

 

Aktuelle Informationen unter: www.thueringerschloesser.de/schloss-schwarzburg-denkort-der-demokratie/veranstaltungen/

 

Eine Dropbox mit Fotomaterial steht bereit unter

https://www.dropbox.com/sh/klsmxtdzr8t6rrj/AABS2trji41Cev529LSz5SJGa?dl=0

Copyright für alle Bilder: © IBA Thüringen, Thomas Müller

 

Auf Schloss Schwarzburg lädt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gemeinsam mit Ihren Partnern am Donnerstagnachmittag zu einem Tag der offenen Tür. Im Fokus steht das Schloss-Hauptgebäude. Dort wird am gleichen Tag der Denkort der Demokratie eröffnet – ein Projekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen.

Zwischen 14.30 Uhr und 17 Uhr werden öffentliche Führungen durch den nun wieder zugänglichen Teil der Innenräume angeboten. Außerdem gibt es vor dem Hauptgebäude Informationsangebote der IBA Thüringen und des Fördervereins Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie e.V. Das vom Thüringer Landesmuseum Heidecksburg betriebene Zeughaus ist mit ermäßigtem Eintritt (5 Euro) zugänglich. Musikalische Umrahmung und Gegrilltes runden den Nachmittag ab.

Die Teilnehmerzahl für die einzelnen Führungen ist coronabedingt begrenzt. Im Gebäude ist das Tragen einer qualifizierten Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend.

Am 9. Juli um 18 Uhr geht es auf dem BUGA-Podium „Das Erfurter Blaue Sofa“ um die Arktis, um die Farbe Blau und die Sorgen um das ewige Eis. Zu Gast bei Moderatorin Blanka Weber sind der Arktis-Experte, Fotograf und Geophysiker Steffen Graupner und Anja Siegesmund, die Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz.

Steffen Graupner aus Jena brach 2019 mit einer Crew von insgesamt mehr als 400 Wissenschaftlern auf, um in der MOSAiC-Expedition des Alfred-Wegener-Institutes ein Jahr per Schiff durch die Arktis zu driften. Zu seinen Erlebnissen zählen Momente großer Schönheit, aber auch Schockieren-des. „Die Arktis“, sagt er, „erwärmt sich vier- bis fünfmal schneller als alle anderen Regionen unseres Planeten.“ Die ITB zeichnete Graupner 2010 mit dem Preis für die besten Reiserouten aus. Mit der Thüringer Umweltministerin diskutiert er über Klimawandel, nachhaltiges Reiseverhalten im globalen Tourismus und die Konsequenzen aus den Daten der MOSAiC-Expedition.

Aufgrund der Corona-Auflagen können nur 60 Personen an der Veranstaltung teilnehmen. Für den Zugang zur Peterskirche wird ein gültiges BUGA-Ticket benötigt.

Freitag, 9. Juli 2021, 18 Uhr

Erfurt, Klosterkirche St. Peter und Paul, Eingang Nordseite

Am 25. Juni 2021 unterzeichneten Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Thüringens Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff eine Verwaltungsvereinbarung über die gemeinsame Finanzierung des ersten Sonderinvestitionsprogramms (SIP I) der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie für Projektmittel zur Förderung der Schlösser- und Kulturlandschaft in Thüringen. 100 Millionen Euro Bauinvestmittel stellt der Bund zur Verfügung, die der Freistaat in gleicher Höhe kofinanziert.

Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, äußert sich dankbar für die nun von Bund und Land bereitgestellten Mittel: „Wir haben damit erstmals die Möglichkeit, an vielen Stellen parallel wirklich große Schritte für die historischen Anlagen zu machen. Unseren Plan für die nächsten Jahre haben wir vor allem nach Dringlichkeit und Machbarkeit ausgerichtet. In den meisten Fällen geht es um akut notwendige Maßnahmen zum Erhalt der Denkmalsubstanz. Zum Teil rücken aber auch lang ersehnte Nutzungen endlich in greifbare Nähe. Besonders froh bin ich, dass wir einige Verbesserungen für die Museen in unseren Liegenschaften einbeziehen können, mit denen wir Hand in Hand die Anlagen weiterentwickeln wollen.“ Fischer weiß um die damit verbundene Herausforderung: „Wir krempeln jetzt die Ärmel hoch für den Marathon, der vor uns liegt – binnen Kurzem müssen wir in großem Umfang solide in Denkmale investieren. Das ist eine lohnende und zugleich fordernde Aufgabe in dem Bewusstsein, dass es sich vor dem Hintergrund unseres reichen Denkmalbestands um die erste von mehreren Etappen handelt.“

In den vergangenen Monaten hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in stetiger Abstimmung mit den zuständigen Stellen eine Maßnahmenliste erarbeitet. Nicht alle wünschenswerten oder auch nur notwendigen Maßnahmen konnten innerhalb des SIP I berücksichtigt werden. Vielmehr musste nach mehreren Kriterien abgewogen werden. Wichtigste Maßstäbe waren die denkmalpflegerische Dringlichkeit und die Machbarkeit des Gesamtpakets im Förderzeitraum. Hinzu kommen dringend erforderliche Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen für museale Nutzer und für die Stiftung von Bedeutung, eine möglichst breite Berücksichtigung der Regionen Thüringens. Darüber hinaus sollen unterschiedliche Investitionsvolumina, voneinander abgrenzbare Teilprojekte und Vorbereitungsstände von Maßnahmen einen gestaffelten Einstieg in die eigentlichen Baumaßnahmen und ermöglichen – ein entscheidender Faktor angesichts knapper personeller Ressourcen und der allgemeinen bauwirtschaftlichen Lage. Vor allem aber soll damit der Einsatz der Mittel auch unter Berücksichtigung der aktuellen Kostensteigerungen zeitnah sichergestellt werden.

Die Investitionsmittel sind seitens der Fördergeber für Liegenschaften im Bestand der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten vorgesehen. Die jeweils genannten Summen berücksichtigen zu erwartende Preissteigerungen sowie die erforderlichen Personal- und Sachkosten zur Umsetzung. Außerdem gibt es eine noch nicht fest verplante Summe von rund 5 Millionen Euro zur Abfederung von Unwägbarkeiten. Für Denkmalensembles, deren Übertragung an die Stiftung derzeit erwogen wird, ist im Maßnahmenplan eine Reserve von 20 Millionen Euro vorgesehen.

Die Vorschlagsliste der Stiftung bedarf noch der Bestätigung durch die Zuwendungsgeber. Wir gehen davon aus, im Rahmen der weiteren Besprechungen mit Bund und Land die Zuwendungsgeber von den vorgeschlagenen Projekten überzeugen zu können.

 

Liegenschaften und Sanierungsprojekte für das Sonderinvestitionsprogramm I (SIP I)

 

Schloss Heidecksburg in Rudolstadt: 21,7 Millionen Euro

Schwerpunkte auf Schloss Heidecksburg sind der Nord- und der West-flügel. Hier geht es vorrangig um die statisch-konstruktive Sanierung der Dächer, die barrierearme Erschließung und die Objektsicherheit. Im Förderzeitraum sollen die Untersuchungen und Planungen erarbeitet werden und Teilabschnitte zur Umsetzung kommen. Parallel zu diesem zeitaufwendigen Projekt sollen der Marstall und die Säulensäle im Süd-flügel saniert und für das Staatsarchiv Rudolstadt nutzbar gemacht werden.

 

Schloss Sondershausen: 20,7 Millionen Euro

An Schloss Sondershausen weisen vor allem die ältesten Bauteile großen Sanierungsbedarf auf. Der problematische Baugrund hat am Alten Nordflügel und dem aus dem Mittelalter stammenden Turm statische Schäden verursacht, die es vorrangig zu beheben gilt. Dies soll geplant und im Förderzeitraum teilweise umgesetzt werden. Hinzu kommen Dachsanierungen am Süd- und am Ostflügel, die Fortführung der auf-wendigen Arbeiten am Entwässerungssystem und die Gesamtsanierung des Jägerhauses zur Nutzung durch die Landesmusikakademie. Im Schlosspark sollen dringen notwendige Brückensanierungen und Wegerestaurierungen durchgeführt werden.

 

Schloss Bertholdsburg Schleusingen: 10,4 Millionen Euro

Bisher nicht nutzbare Bereiche in den Erdgeschossen des Süd- und des Westflügels von Schloss Bertholdsburg sollen saniert und für die Nutzung durch das Naturhistorische Museum Schloss Bertholdsburg vorbereitet werden. Auch an eine barrierearme Erschließung und an Brandschutzmaßnahmen ist dabei gedacht. Außerdem muss die Schlossbrücke saniert werden.

 

Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden: 11,7 Millionen Euro

Die Förderung ermöglicht die zügige Fortführung zweier Langzeitaufgaben an Schloss Wilhelmsburg. Die Dachsanierung kann am Südflügel einschließlich Schlosskirchturm fortgesetzt und damit zum Abschluss gebracht werden. Außerdem wird der Museumsrundgang erweitert und barrierearm gestaltet. In größerem Umfang können die so prägenden wie sanierungsbedürftigen Stütz- und Umfassungsmauern instandgesetzt werden.

 

Schloss Friedenstein Gotha: 50 Millionen Euro

Seitens der Fördergeber wurde ein fester Betrag von 50 Millionen Euro für Schloss Friedenstein mit Herzoglichem Park vorgesehen. Damit wird das derzeit laufende 60-Millionen-Euro-Programm für Schloss Friedenstein mit Herzoglichem Park aufgestockt. Der bisher geplante Umfang der Sanierung wird sich damit deutlich erweitern.

 

Schloss Schwarzburg: 6 Millionen Euro

Die Mittel für Schloss Schwarzburg sind für das Schloss-Hauptgebäude vorgesehen. Im Zentrum steht dabei das Ziel, Depotflächen für das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg zu schaffen. Darüber hinaus sollen die bis 2021 als „Denkort der Demokratie“ nutzbar gemachten Innenräume barrierefrei erschlossen und um Veranstaltungsinfrastruktur erweitert werden.

 

Schloss Altenstein in Bad Liebenstein: 8 Millionen Euro/Vorschlag: 13 Millionen Euro

Mit den eingeplanten Mitteln kann die Gesamtsanierung des Schlosses bis zur Nutzbarkeit abgeschlossen werden. Schwerpunkte sind der Innenausbau, die Sanierung des historischen Küchenbaus, der Terrassen und die Sicherung der benachbarten Bergfriedruine.

 

Dornburger Schlösser: 10 Millionen Euro

Auf den Dornburger Schlössern steht das Renaissanceschloss zur Sanierung an. Die Maßnahmen reichen von der Dachsanierung über die Instandsetzung der Baukonstruktion des hangnahen Gebäudes bis zur Objektsicherheit. Zudem werden die barocken Geländergitter am Rokokoschloss restauriert.

 

Schloss und Park Wilhelmsthal bei Eisenach: 6 Millionen Euro

Der Fokus in Schloss Wilhelmsthal liegt auf dem Neuen Schloss mit Saalbau, nördlichem Pavillon und den verbindenden Kolonnaden. Der kulturhistorisch bedeutsame Telemannsaal im Saalbau soll restauriert werden. Die Kolonnade und der nördliche Pavillon sollen ebenfalls saniert werden und dienende Funktionen für die Veranstaltungsnutzung des Telemannsaals erfüllen. Für die Gesamtanlage soll die Erschließung mit Wasser, Abwasser und anderen Versorgungsmedien angegangen werden.

 

Burg Weißensee: 3 Millionen Euro

Die Sanierung des Palasturms soll mit der Turmhaube abgeschlossen werden. Außerdem kann ein größerer Abschnitt der dringlichen Ringmauersanierung umgesetzt werden.

 

Burg Ranis: 8 Millionen Euro

Das in den letzten Jahren intensiv untersuchte Torhaus soll statisch gesichert werden. Dach und Fassaden werden instandgesetzt.

 

Wasserburg Kapellendorf: 5 Millionen Euro

Dringlichen Sanierungsbedarf innerhalb der Burganlage weist der barocke Prinzessinnenbau auf. Dach und Fassaden sollen im Rahmen der Förderung saniert werden.

 

Schloss Molsdorf mit Park: 8 Millionen Euro

In Schloss und Park Molsdorf sind zunächst Maßnahmen im Park Teil des Förderprogramms. Dazu gehören die Sanierung des Parkteichs einschließlich Entschlammung und die Parkarchitekturen. Am Schloss selbst haben das Dach und die Fassaden den vorrangigen Sanierungs-bedarf. Dafür sollen die vorbereitenden Untersuchungen und Grundlagenermittlungen eingeleitet werden.

 

Burgruinen: 1,2 Millionen Euro

Im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms sind in größerem Umfang als bisher Sicherungsmaßnahmen an einigen akut gefährdeten Burgruinen möglich. Vorgesehen sind die Burgruinen Bad Liebenstein, Ehrenstein, Brandenburg und Obere Sachsenburg.

 

Fotomaterial (Beispielbilder Liegenschaften) für den Gebrauch im Zusammenhang mit der Berichterstattung zu diesem Thema:

https://www.dropbox.com/sh/nmzfvjeco3j0jzv/AAA_KCKVEkb2ur0L_VTlZDVra?dl=0

In Kloster Veßra hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die frühere Porzellanfabrik in unmittelbarer Nachbarschaft der Klosteranlage erworben. Dort sollen bald Sammlungsbestände des Hennebergischen Museums Kloster Veßra und des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg Schleusingen ihr Domizil finden. Beiden Museen fehlt es bislang an geeigneten und ausreichenden Depotflächen.

Die Stiftung Thüringer Schlösser ist Eigentümerin beider Liegenschaften und sieht sich damit in der Pflicht, geeignete Räume für die Lagerung musealer Sammlungsbestände der beiden Museen bereitzustellen. Gemeinsame Prüfungen in den letzten Jahren einen Depotbedarf von insgesamt rund 2.000 Quadratmetern Depotfläche, wobei zu erwartende Zuwächse einkalkuliert sind. In der Abwägung mehrerer Varianten erwies sich der Ankauf der leerstehenden früheren Porzellanfabrik mit anschließendem Ausbau für die Depotnutzung als weitaus kostengünstigste Variante. Die Flächen entsprechen dem Bedarf. Der Aufwand für die Erneuerung der Haustechnik, den Einbau von Sicherheitsanlagen und das Einziehen von Zwischenwänden wird auf rund eine Million Euro geschätzt. Die Kosten für die Schaffung von Depots innerhalb historischer Bausubstanz oder gar für einen Neubau hätten ein Vielfaches betragen.

Der nun erworbene Bau bringt beste Voraussetzungen für ein Museumsdepot mit. Dach, Fassaden und Fenster sind intakt, vor allem aber sind die statischen Voraussetzungen auf ideale Weise erfüllt. Für die Nutzung als Fabrik mussten die Decken bereits zur Erbauungszeit 600 bis 750 Kilogramm pro Quadratmeter tragen – das ist auch der für ein modernes Depot notwendige Wert. Kostenintensive statische Verstärkungen stehen also nicht auf dem Plan. Die Hallen in den Geschossen sind künftig flexibel unterteilbar. Auch ein Lastenaufzug und eine Laderampe sind vorhanden.

Deshalb ist nun ein vergleichsweise zügiges Vorgehen möglich. Im ersten Schritt werden die beiden Museen eine Nutzerbedarfsplanung erstellen, aus der sich detaillierte Angaben zu den konservatorischen und räumlichen Erfordernissen der Sammlungsbestände ergeben. Parallel wird die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ein Planungsteam auswählen. 2022 soll die Planung beginnen, bei gutem Fortschritt im gleichen Jahr ein erster Teil der Umsetzung.

Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Porzellanfabrik neu errichtet und durch die Firma Herda, Bofinger & Co. betrieben. 1921 kam es zur Liquidation. Das Hennebergische Museum Kloster Veßra verfügt heute über eine Vielzahl von Produkten und Haldenfunden dieser Manufaktur. Im zweiten Weltkrieg gab es ein Intermezzo als von Suhl aus betriebene Waffenfabrik. Zuletzt wurde das Gebäude als soziale Bildungsstätte für Holzhandwerk betrieben, bevor es leer stand und der Ankauf möglich wurde.

Fotos:

oben: Vor dem künftigen Depotgebäude: Claudia Krahnert, Direktorin des Hennebergischen Museums Kloster Veßra, Dr. Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg Schleusingen und Dr. Doris Fischer, Direktorin der Siftung Thüringer Schlösser und Gärten, Foto: STSG, Franz Nagel

im Text: Raum im künftigen Depotgebäude, Foto: STSG, Franz Nagel

Einblicke in die Gartendenkmalpflege bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) gibt am 8. Juli um 18 Uhr deren Gartenreferent Dipl.-Ing. Dietger Hagner in der Erfurter Peterskirche. Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ in dem Sakralbau mitten auf dem BUGA-Areal des Erfurter Petersbergs.

Mit Pflanzen gestaltete Kunstwerke erfordern ein besonderes Verständnis vom Denkmalcharakter und entsprechende Maßnahmen zu dessen Erhaltung. Seit den 1970er Jahren hat sich das Bewusstsein für historische Gärten als Kulturdenkmale von eigenem Wert etabliert. Der Vortrag geht auf die Geschichte des Fachs ein, vor allem aber auf Grundsätze, Konzepte und Praxis der Gartendenkmalpflege in der Gegenwart am Beispiel der Gartenanlagen der STSG. Auch die neuen Herausforderungen infolge des Klimawandels spielen dabei eine Rolle.

Die Peterskirche liegt im BUGA-Areal des Petersbergs. Für den Zugang wird deshalb ein gültiges BUGA-Ticket benötigt. Kontaktdaten werden erfasst. Die Teilnehmerzahl ist auf 60 Personen begrenzt. Der Zugang erfolgt an der Nordseite, gegenüber der Defensionskaserne.

Donnerstag, 8. Juli 2021, 18 Uhr, Erfurt, Peterskirche

www.thueringerschloesser.de/museum-paradiesgaerten/

 

Abbildung: Restaurierter Blumengarten vor dem Sommerpalais Greiz, Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn

Am Sonntag hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in der Herzoglichen Orangerie Gotha ihre jährliche Saisoneröffnung begangen – coronabedingt fast zwei Monate später als sonst üblich. Während der Veranstaltung wurde der Christian-August-Vulpius-Preis verliehen. Außerdem wurde die Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“ im Orangenhaus offiziell eröffnet.

Christian-August-Vulpius-Preis

Der Christian-August-Vulpius-Preis ging in diesem Jahr an den Werratalverein, Zweigverein Brandenburg e.V. Mit dem undotierten Preis würdigt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten jährlich besondere Verdienste von Einzelpersonen und Vereinen, die sich ehrenamtlich für das kulturelle Erbe einsetzen. Laudator Dr.-Ing. Thomas Ludwig, Mitglied des Sachverständigen Beirats der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, betonte die identitätsstiftende Bedeutung ehrenamtlichen Engagements: „In jedem Ort Thüringens, in dem eine Burg, ein Kloster, ein Schloss mit seinem Park steht, gibt es Menschen, denen der Erhalt dieser Zeugen der Geschichte am Herzen liegt, die sich dafür einsetzen, dass sie erhalten bleiben, gepflegt werden, besucht werden können.“ Rund um die Brandenburg bei Lauchröden an der Werra stand die Beziehung der Menschen zu „ihrer“ Burg lange Zeit unter besonderen Vorzeichen. Ort und Burg lagen im streng bewachten Schutzstreifen der DDR-Grenzanlagen. Nach dem Mauerbau war die Burg auch für Einheimische viele Jahre lang nicht zugänglich. Erst spät lenkten die Behörden ein, ab 1988 konnte die Ruine unter Bewachung besucht werden. Noch im April 1989 gründete sich eine Interessengemeinschaft und lenkte die denkmalpflegerische Aufmerksamkeit auf die Landmarke. Der Mauerfall sorgte für Aufbruchstimmung: „Totgeschwiegen und dem Verfall preisgegeben, war die Brandenburg dennoch Teil des Lebens der Bewohner von Lauchröden und Herleshausen geblieben, den Schwesterorten auf beiden Seiten des Werratals“, gab Ludwig die emotionale Beziehung zum Denkmal wieder. Der Verein wurde gegründet, selbstverständlich mit Mitgliedern von beiden Seiten der früheren Grenze. Der Laudator würdigte die vielen und vielfältigen Aktivitäten des Vereins für das Denkmal, dessen Erforschung und Vermittlung, Veranstaltungen sowie nicht zuletzt die umgebenden Naturschätze. Den Preis, einen Porzellanlöwen, übergab Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, im Beisein von Thüringens Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, dem Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, und dem Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch.

V.l.n.r. Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Reinhard Schneider und Jens Griebel vom Brandenburgverein, Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff und Laudator Dr. Thomas Ludwig. Foto: Thüringer Staatskanzlei, Rosa Schulz

 

Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“

Im Anschluss wurde die Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“ eröffnet, ein Beitrag der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zum Programm des BUGA-Außenstandorts Gotha. Die Ausstellung zur Orangeriekultur ist am historischen Schauplatz des Geschehens eingerichtet, im Organgenhaus der Herzoglichen Orangerie.

Im Zentrum stehen Geschichte und Praxis der Orangeriekultur. Von der mythologischen Bedeutung von Zitrusfrüchten in der Frühen Neuzeit bis zu Tipps für eigene Versuche der Ananastreiberei spannt sich der weite Bogen vielfältiger Themen.

Welche Orangeriepflanzen gibt es? Wie zieht man Zitrusgewächse? Wie verwendet man die Früchte? Woher kommen Kamelien? Welche Geräte und Pflanzgefäße wurden verwendet, wie wurden sie hergestellt? – Auf all diese Fragen findet man im Orangenhaus eine Antwort.

Zugleich hält die Ausstellung praktische Hinweise bereit und lädt zum Ausprobieren ein. So sind für das gedeihliche Wachsen der Pflanzen spezielle Erdmischungen wichtig. Die Bestandteile hierfür sind in einem sogenannten Erdlabor aufgestellt. Besucher werden eingeladen, selbst eine Ananas zu vermehren.

Im zweiten Teil der Ausstellung wird die beeindruckende Geschichte der Herzoglichen Orangerie Gotha erzählt, inszeniert mit einem symbolischen Orangenhain und einer Bilderwand, die manches Geheimnis der Goldenen Früchte lüftet. Hier finden sich Antworten auf die Frage, was das Sammeln und Pflegen von pflanzlichen Exoten in der Frühen Neuzeit so attraktiv machte, dass sich auch Herrscher eigenhändig darum bemühten.

 

Im Garten der Goldenen Früchte

Herzogliche Orangerie Gotha, Orangenhaus (nördliches Orangeriegebäude)

Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Eintritt frei

bis 20. September 2021

Am kommenden Sonntag laden die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach gemeinsam zu einem umfangreichen Programm rund um Schloss Friedenstein und die Herzogliche Orangerie Gotha. Es ist der coronabedingt verschobene Start in die BUGA-Saison.

Unter dem Motto „Erlebnis Kammermusik! Flanieren, verweilen, genießen“ präsentieren ab 11.30 Uhr bis in die späten Abendstunden sieben unterschiedliche Ensembles der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach auf der großen Bühne im Schlosshof und im Ostgarten von Schloss Friedenstein kammermusikalische Werke. Der Vorverkauf läuft bereits.

Beide Stiftungen begleiten mit jeweils einer Ausstellung die BUGA-Saison. Beide öffnen am 4. Juli offiziell. Im Herzoglichen Museum steht ab 10 Uhr unter dem Titel „Muschelblüten, Blumenbücher und ein Orangerie-Modell“ restaurierte Kunst der Stiftung Schloss Friedenstein rund um den Garten im Mittelpunkt. Ab 14 Uhr ist im Orangenhaus die Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“ geöffnet, der Beitrag der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zum Angebot des BUGA-Außenstandorts Gotha. Dort gibt es ab 14.15 Uhr zum Auftakt Führungen mit begrenzter Teilnehmerzahl durch die Ausstellung, das Orangerieparterre und den Englischen Garten, außerdem Salonmusik mit dem Duo Divers.

Der Verein „Orangerie-Freunde“ Gotha e.V. begleitet den Nachmittag in der Orangerie mit dem ersten der beliebten Kaffeenachmittage in diesem Jahr. Von 14 bis 17 Uhr werden selbstgebackene Kuchen, Kaffeevariationen, Orangerie-Sekt und alkoholfreie Getränke angeboten. Der Erlös der Veranstaltung kommt der Fertigstellung des neuen Kamelien-Hauses am historischen Standort hinter dem nördlichen Treibhaus zugute. Es gelten die aktuell für die Gastronomie vor-geschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Mund-Nasen-Schutz muss bis zum Erreichen des Platzes getragen werden.

 

Programm

Ensembles der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach

Bühne im Schlosshof

11.30-12.30 Uhr            Blechbläserensemble

 

Bühne im Ostgarten

13.30 – 14.30 Uhr          Gothardus Bratschenquartett

15.00 – 16.00 Uhr          Trio Nuance

16.30 – 17.30 Uhr          Philharmonisches Quartett

 

Bühne im Schlosshof

18.00 – 19.00 Uhr          Bläserquintett/

19.30 – 20.30 Uhr          Spohr-Quartett

21.00 – 22.00 Uhr          Bläseroktett und weitere Mitglieder der Thüringen Phil-harmonie Gotha-Eisenach

 

Einzelticket: 15,-€, Zwei Tickets: 25,- €, Kombiticket für alle Konzerte: 50,-€

Tickets erhalten Sie im Ticket-Service-Büro am Hauptmarkt sowie bei allen bekannten VVK-Stellen und online beim Ticketshop Thüringen. Weitere Infos unter www.thphil.de

 

 

Tag der offenen Tür anlässlich der Eröffnung der Ausstellung “Im Garten der Goldenen Früchte”

 

Herzoglicher Park, Orangerie

 

14.15 Uhr                     Führung durch das Orangerieparterre

14.30 Uhr                     Salonmusik mit dem Duo Divers

15.00 Uhr                      Führung durch die Ausstellung “Im Garten der Goldenen Früchte”

15.15 Uhr                     Führung durch den Englischen Garten

15.45 Uhr                     Führung durch das Orangerieparterre

16.00 Uhr                     Salonmusik mit dem Duo Divers

 

Ausstellungen

 

„Im Garten der Goldenen Früchte“
Herzogliche Orangerie, Orangenhaus

Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Eintritt frei

bis 20. September 2021

Die Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“ ist Teil des Programms der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten an ihren BUGA-Außenstandorten. Sie gibt Einblicke in die Geschichte und Praxis der Orangeriekultur. Von der mythologischen Bedeutung von Zitrusfrüchten in der Frühen Neuzeit bis zu Tipps für eigene Versuche der Ananastreiberei spannt sich der Bogen vielfältiger Themen.

Welche Orangeriepflanzen gibt es? Wie zieht man Zitrusgewächse? Wie verwendet man die Früchte? Woher kommen Kamelien? Welche Geräte und Pflanzgefäße wurden verwendet, wie wurden sie hergestellt? Auf all diese Fragen findet man im Orangenhaus eine Antwort. Zugleich hält die Ausstellung praktische Tipps bereit und lädt zum Ausprobieren ein. So sind für das gedeihliche Wachsen der Pflanzen spezielle Erdmischungen wichtig. Die Bestandteile hierfür sind in einem Erdlabor aufgestellt. Besucher werden eingeladen, selbst eine Ananas zu vermehren. Im zweiten Teil der Ausstellung wird die beeindruckende Geschichte der Herzoglichen Orangerie Gotha erzählt. Inszeniert mit einem symbolischen Orangenhain und einer Bilderwand, die manches Geheimnis der Goldenen Früchte lüftet, aber auch spannende Fragen aufwirft.

 

Muschelblüten, Blumenbücher und ein Orangerie-Modell – Restaurierte Kunst rund um den Garten

Herzogliches Museum, Ausstellungskabinett

4. Juli bis 3. Oktober 2021

4. Juli 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr Kurzführungen zur Präsentation im Herzoglichen Museum mit der Kuratorin Ulrike Eydinger

Anlässlich der diesjährigen Bundesgartenschau in Erfurt präsentiert die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha aus ihren Sammlungen eine exquisite Auswahl von Objekten rund um das Thema Garten. Zu sehen sein werden bislang unbekannte oder aufgrund ihrer Empfindlichkeit nur selten ausgestellte Kunstwerke, die sich einst in der Kunstkammer befanden und eng mit der Gothaer Gartenlandschaft des 17. und 18. Jahrhunderts verknüpft sind.

Wie beliebt Conchylien-Bouquet und Co. schon bei den ehemaligen Schlossbewohnern und ihren Gästen waren, bezeugten noch bis vor Kurzem Abnutzungs-spuren und -schäden. Die Restauratoren aber haben großartige Arbeit geleistet: Alle Stücke sind jüngst mit phantastischen, teils spektakulären Ergebnissen aufwändig restauriert worden, weshalb die kleine Schau auch das Vorher und Nach-her der Objekte thematisieren wird.

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha dankt Land Thüringen, dem Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder e.V. und dem Freundeskreis Kunstsammlungen Schloss Friedenstein Gotha e.V. für ihre großzügige finanzielle Unterstützung der fünf Restaurierungsprojekte sowie dem Studiengang Konservierung und Restaurierung der FH Erfurt für die restauratorische Mitwirkung.

 

Für alle Veranstaltungen gelten die aktuellen Regeln und Verordnungen zum Infektionsschutz.

 

 

Abbildung:

Schloss Friedenstein mit Herzoglicher Orangerie, Foto Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn

Baufachleute verschiedener Spezialgebiete geben am 1. Juli um 18 Uhr in der Erfurter Peterskirche Einblicke in die Sanierungsarbeiten an dem romanischen Baudenkmal in den vergangenen Jahren. Dank Förderung durch die Thüringer Staatskanzlei in Höhe von 5 Millionen Euro waren mit Blick auf die derzeitige BUGA umfangreiche Maßnahmen möglich. Mit der Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ hat sich die frühere Klosterkirche binnen kurzer Zeit zum Besuchermagneten entwickelt.

Architektin Silvia Wagner, Leiterin der Bauabteilung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, erläutert gemeinsam mit dem Planungsteam die Konzeption und die Maßnahmen. Der beauftragte Architekt Frank Spangenberg, der Restaurator Stephan Scheidemann und der Technikplaner Stefan Schmidt erläutern den Weg von den ersten Planungsschritten bis zur Umsetzung. Schwerpunkte sind der Ausbau für die Veranstaltungs- und Ausstellungsnutzung einschließlich der behutsamen Integration der dafür benötigten Technik und die Restaurierung der Sandsteinfassaden mit ihrem 900 Jahre alten Bauschmuck.

Die Peterskirche liegt im BUGA-Areal des Petersbergs. Für den Zugang wird deshalb ein gültiges BUGA-Ticket benötigt. Kontaktdaten werden erfasst. Die Teilnehmerzahl ist auf 60 Personen begrenzt. Der Zugang erfolgt an der Nordseite, gegenüber der Defensionskaserne.

Donnerstag, 1. Juli 2021, 18 Uhr, Erfurt, Peterskirche
www.thueringerschloesser.de/museum-paradiesgaerten/

Abbildung: Klosterkirche St Peter und Paul in Erfurt, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Philipp Hort

Im Herzoglichen Park Gotha finden derzeit Verkehrssicherungsmaßnahmen an Bäumen statt. Überwiegend geht es dabei um Folgen der langen Trockenperioden in den letzten Jahren. In erster Linie werden akute Gefahrenquellen beseitigt, die bei den regelmäßigen Kontrollen festgestellt wurden.

Insgesamt gibt es im Herzoglichen Park rund 3.500 Bäume. Ein großer Teil davon ist älter als 150 Jahre. Besonders unter der Trockenheit gelitten haben die 200jährigen Rotbuchen. Sie können schlechter als andere Baumarten mit Trockenstress umgehen. Krankheitserreger, Viren und holzzerstörende Pilze haben dann leichtes Spiel, in die Bäume einzudringen und Schäden zu verursachen. Rotbuchen machen den größten Teil der voraussichtlich 60 bis 80 Bäume aus, die in diesem Jahr im Park gefällt werden müssen. Ersatzpflanzungen sind für den Herbst geplant, doch können dadurch die Verluste der vielen Altbäume nicht vollständig kompensiert werden.

Abbildung: Trockenheitsgeschädigte Rotbuche im Herzoglichen Park Gotha, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Jens Scheffler