Der Ostturm von Schloss Friedenstein ist um rund 35 Tonnen leichter. In den vergangenen Monaten hat die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt Stahlregale ausbauen lassen. Vorausgegangen war der Umzug von rund 300.000 Büchern auf viereinhalb laufenden Regalkilometern in ein Interimsdepot. Mit dem Entfernen der Regale ist die Voraussetzung für die detaillierten statischen Untersuchungen und Sanierungsplanungen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Rahmen der 110-Millionen-Euro-Förderung für Schloss Friedenstein geschaffen.

Der Auszug der Bücher und der Rückbau der Regale – ein Kraftakt für die Forschungsbibliothek im laufenden Bibliotheksbetrieb – waren nötig, nachdem statische Untersuchungen eine erhebliche Überlastung der Baukonstruktion festgestellt hatten. Daraufhin musste die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin der Anlage den Turm vorübergehend sperren und Notsicherungen einleiten. Im Fokus standen drei freistehende Pfeiler und drei Wandpfeiler aus Naturstein im Kellergeschoss des Turms. 2021 erhielten die Pfeiler Stahlumgurtungen und können seitdem die gewaltigen Lasten des Gebäudes wieder zuverlässig in die Fundamente ableiten.

Die eigentliche Sanierung des Turms steht aber noch aus und ist ein komplexes Unterfangen. Sie wird die gesamte Baukonstruktion vom Keller bis zum Dachstuhl betreffen. Dazu müssen Statiker und Bauforscher nun zunächst in bisher nicht zugänglichen Bereichen stichprobenartig Wände öffnen und Erkenntnisse über das statische Gefüge gewinnen. Die Ergebnisse sind Voraussetzung für die Planung und die Kalkulation der Kosten. Die Sanierung soll im Rahmen der von Bund und Land geförderten Maßnahmen auf Schloss Friedenstein mit einem Gesamtvolumen von 110 Millionen Euro stattfinden.

Die Ursachen für die Schäden sind komplex und gehen zum Teil schon auf das 17. Jahrhundert zurück. Damals kam es zu ersten Umbauten. Vor allem eine massive Trennwand über mehrere Geschosse wirkte sich bereits damals negativ auf das statische Gefüge aus. Hinzu kamen im Lauf der Jahrhunderte Materialermüdung an den historischen Tragwerken und schließlich ab den 1950er Jahren auch die Lasten durch die reichen Bibliotheksbestände in zusätzlich eingebauten Stahlregalen.

Foto: Stahlregale im Ostturm von Schloss Friedenstein während des Rückbaus, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Sabine Jeschke

Auf Schloss Schwarzburg ist der Frühjahrsputz für die neue Saison beendet. Im Kaisersaalgebäude wurden die Stuckdecken durch Restauratoren entstaubt und auch der Kronleuchter im Kaisersaal glänzt dank fachmännischer Reinigung wieder. Mit der Fertigstellung des zweiten Rettungswegs am Gebäude ist der namengebende Kaisersaal im Obergeschoss wieder im Museumsrundgang der Fürstlichen Erlebniswelten Schloss Schwarzburg zu besichtigen. Bis zum 5. November zeigt das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg im Obergeschoss die Sonderausstellung „Aufgespießt – Das Jagdvergnügen der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt“. Auch Veranstaltungen können im Kaisersaal nun wieder stattfinden.

Ab dem 27. Mai beginnt auch die neue Audiowalk-Saison auf Schloss Schwarzburg. Der Hörspaziergang führt an den Wochenenden vom nördlichen Bereich der Schlossanlage bis in den Emporen- und den Ahnensaal im Hauptgebäude. Der Audiowalk gibt Einblick in die Geschichte des Schlosses, zu der auch der begonnene Umbau zum Reichsgästehaus unter den Nationalsozialisten gehört. Aber auch die heutige Zeit mit den Hintergründen für den Teilausbau des Hauptgebäudes unter dem Titel „Denkort der Demokratie“ im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen wird in den Blick genommen. Der Audiowalk war 2019 als Teil des IBA Projektes entstanden. In diesem Jahr feiert die IBA Thüringen ihr Finale.

Über die Winterpause sind auch die Arbeiten an der Beleuchtung im teilsanierten nördlichen Bereich des Hauptgebäudes abgeschlossen worden. Die energieeffizient gestaltete Beleuchtung wird in Teilen über Bewegungssensoren gesteuert. Durch Fehlschaltungen und Kleintiere war im Hauptgebäude gelegentlich abends die Beleuchtung ausgelöst worden, was zu Irritationen bei Ortsansässigen führte.

Ganzjährig lädt auch das Zeughaus mit der Schauwaffensammlung der Grafen und Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt zum Besuch ein.

 

Audiowalk Schloss Schwarzburg – Denkort der Demokratie

27. Mai bis 8. Oktober 2023, Sa/So

Voranmeldungen über die Museumskasse im Torhaus

T: 03 67 30 – 39 96 30

 

Aufgespießt – Das Jagdvergnügen der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt

Sonderausstellung im Kaisersaalgebäude

6. Mai bis 5. November 2023

 

Abbildung: Der Kronleuchter im Kaisersaal wird fachmännisch gereinigt, Foto: STSG, Jana Lorenz

Auf Schloss Sondershausen startet ein Großprojekt im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms I (SIP I) der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG). Im Fokus stehen dringend notwendige statisch-konstruktive Sicherungen am Alten Nordflügel mit dem Schlossturm und dem Ost- und Südflügel sowie ein erster Sanierungsabschnitt am Dach. Ein beauftragtes Planungsteam hat seine Arbeit aufgenommen und ermittelt derzeit die Grundlagen für das aufwendige Sanierungsvorhaben. Es handelt sich um eines der größten von insgesamt 23 Einzelprojekten im Rahmen des SIP I.

Die Belastungen und Schäden am Alten Nordflügel sind groß und komplex. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet, wurde der Schlossflügel im Laufe der Jahrhunderte aufgestockt und das ursprüngliche Baugefüge durch Umbauten an Dach, Decken und Wänden durcheinandergerüttelt und belastet. Zusammen mit schwierigen Baugrundverhältnissen, starken Bodensetzungen – bedingt durch den regionalen Bergbau – und hohen Nutzungslasten entstanden große Schäden, die in Wechselwirkung miteinander stehen. Aufgrund der komplexen Schäden wurden in den vergangenen Jahrzehnten Notsicherungen in den Schlossräumen von der Schlosskirche bis zum Keller notwendig. Große Bereiche des Alten Nordflügels mussten bereits beräumt werden.

Im Rahmen des SIP I soll das statische Gefüge der Baukonstruktion nun dauerhaft gesichert werden – eine besondere Herausforderung nicht nur aufgrund der schweren Schäden auf einer Fläche von über 7.500 Quadratmetern. Hinzu kommt, dass ein Teil des Sanierungsbereichs, der imposante Südflügel, mit seinen sieben Geschossen und repräsentativen Raumhöhen bauordnungsrechtlich einem modernen Hochhaus gleichkommt und damit besonderen Vorgaben unterliegt.

Für die fordernde Aufgabe wurde ein Planerteam gebildet, bestehend aus Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen. Statiker, Restauratoren, Holzexperten, Bauforscher, Geologen, Haustechniker, Bauphysiker und Architekten arbeiten Hand in Hand. Das Team nimmt derzeit die historische Bausubstanz genau in Augenschein und erfasst die komplexen Schäden und deren Zusammenwirken. Die Untersuchungsergebnisse der Baufachexperten fließen in eine gemeinsame Vorplanung des Bauvorhabens ein, die vom Balken bis zum barocken Stuck alles mit in den Blick nimmt. Das Team plant, wie ein erster Bauabschnitt bestmöglich und denkmalgerecht realisiert werden kann.

Schloss Sondershausen war Residenzschloss der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen. Ab 1534 als Renaissanceschloss errichtet, wurde es im Laufe der Jahrhunderte zum Residenzschloss um- und ausgebaut. In den Bau des Alten Nordflügels wurde der Wohnturm einer mittelalterlichen Vorgängerburg einbezogen. Noch heute ist im Alten Nordflügel – neben Raumkunstwerken verschiedener Jahrhunderte – daher die älteste Bausubstanz des Schlosses zu finden. Mit der Maßnahme wird erstmals in seiner Geschichte das komplexe Baugefüge als Ganzes betrachtet und in die Kur genommen.

Das SIP I der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten hat ein Volumen von 200 Millionen Euro, die Bund und Land jeweils zur Hälfte bereitstellen. Mit diesem Programm kann die STSG bis 2027 wesentliche Sanierungsschritte für viele ihrer Liegenschaften erreichen. Die vorgesehenen Maßnahmen sind in 23 Einzelprojekte in Kulturdenkmalen in ganz Thüringen aufgeteilt, die unabhängig voneinander vorangetrieben werden.

 

Abbildung:

Das Planungsteam begutachtet die Gründungsverhältnisse und den anstehenden Felsen unter den ältesten Schlossflügeln von Schloss Sondershausen, Foto: STSG, Jana Lorenz

 

Vor 150 Jahren war es die Greizer Eisenbahn, die einen Entwicklungsschub für den Fürstlich Greizer Park bedeutete. Eine Bahnlinie sollte direkt durch den Park geführt werden. Für Fürst Heinrich XXII. Reuß Älterer Linie kam dies nicht in Frage, nach Verhandlungen mit der Eisenbahngesellschaft wurde die Bahntrasse an den östlichen Parkrand verdrängt. Für die Maskierung der Trasse erhielt das Fürstenhaus eine ansehnliche Entschädigung über 50.000 Taler. Diese Summe nutzte der Fürst, um mithilfe des Gartenkünstlers und Muskauer Gartendirektors Carl Eduard Petzold ein neues Kapitel der Geschichte des Parks aufzuschlagen. Die bis heute prägende Gestaltungsphase des Fürstlich Greizer Parks nahm mit den von Petzold erarbeiteten Plänen ihren Anfang. Bei der Ausführung ließ aber auch der späterer Parkdirektor Rudolph Reinecken eigene Akzente einfließen.

Eine gemeinsame Tagung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit dem Freundeskreis Greizer Park e. V. und der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz nimmt am 2. Juni die Entwicklung des Fürstlich Greizer Parks und der Personen, die ihn prägten, in den Blick. Dabei wird der Park sowohl gartenkünstlerisch als auch in seiner Funktion als Lebensraum beleuchtet, auch die heutigen Herausforderungen im Umgang mit dem Gartendenkmal finden Beachtung.

Anmeldungen sind noch bis zum 17. Mai 2023 per Mail an veranstaltungen@thueringerschloesser.de möglich. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Für den Mittagsimbiss inkl. Getränke (bitte bei der Anmeldung mit vermerken) sind vor Ort 12 Euro zu entrichten.

 

Abbildung: Fürstlich Greizer Park mit Sommerpalais, Foto: STSG, Helmut Wiegel

 

Tagung „150 Jahre Neugestaltung des Fürstlich Greizer Parks“

2. Juni 2023

Sommerpalais Greiz

Gartensaal

 

Programm

 

10.00 Uhr

Begrüßung

Dr. Doris Fischer (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)

Dr. Christian Wonitzki (Freundeskreis Greizer Park e.V.)

Dr. Ulf Häder (Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz)

 

10.20 Uhr

Grußwort

Alexander Schulze (Bürgermeister der Stadt Greiz)

 

10.30 Uhr

Die Entwicklung des Fürstlich Greizer Parks bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Dipl.-Ing. Helmut Wiegel, Bamberg

 

11.00 Uhr

Die Umgestaltung des Fürstlich Greizer Parks unter Rudolph Reinecken

Dipl.-Ing. Dietger Hagner

Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

 

11.30 Uhr

Die weitere Entwicklung des Fürstlich Greizer Parks nach der Ära Reinecken bis heute

Dr. Christian Wonitzki und Almut Kaul

Freundeskreis Greizer Park e.V.

 

12.00 Uhr

Diskussion

 

12.15 Uhr

Mittagspause

 

13.00 Uhr

Leben im Sommerpalais und Park Greiz. Zur Verbindung von Drinnen und Draußen zur Zeit Heinrichs XI. (1722-1800)

Dr. Ulf Häder

Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz

 

13.30 Uhr

Der Fürstlich Greizer Park – ein Hotspot der Artenvielfalt

Dr. Karli Coburger, Greiz

 

14.00 Uhr

Die gartendenkmalpflegerischen Herausforderungen im Fürstlich Greizer Park

M. Eng. Jonathan Simon

Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

 

14.30 Uhr

Schlussdiskussion

 

15.00 Uhr

Kaffeepause

 

15.30 Uhr

Führungen durch den Park

 

Voraussichtliches Ende gegen 17.00 Uhr

 

Auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden wird derzeit das Gerüst am Westflügel abgebaut. Zuerst hat ein Kran das Schutzdach in Einzelteilen heruntergehoben. Das Gerüst wird am Schloss eingelagert und nach dem Thüringentag im Juni wiederaufgebaut. Das Umsetzen des Gerüsts gehört zu den vorbereitenden Maßnahmen für ein Projekt im Sonderinvestitionsprogramm I der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die Dachsanierung am Südflügel. Damit soll auf Schloss Wilhelmsburg die Sanierung der Schlossdächer abgeschlossen werden.

Das SIP I der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten hat ein Volumen von 200 Millionen Euro, die Bund und Land jeweils zur Hälfte bereitstellen. Mit diesem Programm kann die STSG bis 2027 wesentliche Sanierungsschritte für viele ihrer Liegenschaften erreichen. Die vorgesehenen Maßnahmen sind in 23 Einzelprojekte in Kulturdenkmalen in ganz Thüringen aufgeteilt, die unabhängig voneinander vorangetrieben werden.

Der Gerüstabbau ist mit vorübergehenden Umwegen verbunden. Besucher aus Richtung Schlossberg erreichen den Schlosshof durch den Rosengarten. Der Museumseingang befindet sich vorübergehend in der Südostecke des Schlosshofs bei der Herrenküche.

 

Abbildung: Gerüstrückbau am Westflügel von Schloss Wilhelmsburg, Foto: STSG, Sylvia Lorenz

 

 

Dem 8 Hektar großen See im Fürstlich Greizer Park steht eine umfangreiche Revitalisierungsmaßnahme bevor. Über die Hintergründe und Details informiert Dietger Hagner, Gartenreferent der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, am kommenden Samstag im Rahmen einer Führung (Treffpunkt um 11 Uhr vor der Orangerie am Parkeingang). An der Führung wird auch die Parlamentarische Staatssekretärin Elisabeth Kaiser vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen teilnehmen. Das Ministerium fördert die Maßnahme mit 3 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“.

Im Mittelpunkt des bevorstehenden Projekts steht die aufwendige Entschlammung des Sees. Darüber hinaus werden die Ufer saniert und Fehlstellen in der benachbarten Seufzerallee neu bepflanzt.

Foto: Sanierungsbedürftiges Idyll – der Parksee im Fürstlich Greizer Park, Foto: STSG, Helmut Wiegel

Bei ihrer diesjährigen Saisoneröffnung am Europatag hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) den Förderverein Gesellschaft der Freunde der Klosterruine St. Wigbert Göllingen e. V. mit ihrem Mäzenatenpreis geehrt, dem Christian-August-Vulpius-Preis. Bei dem Festakt im Blauen Saal von Schloss Sondershausen wurde außerdem ein Konzertflügel übergeben, der dort nun als Dauerleihgabe des Vereins Thüringer Schlosskonzerte e.V. zur Verfügung steht.

Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, hob die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements hervor: „Fördervereine sind das unverzichtbare Bindeglied zwischen Kulturdenkmalen und den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort. Ihre unermüdliche Arbeit ist Ausdruck der identitätsstiftenden Kraft von Denkmalen. Oft sind die Vereine gemeinsam mit uns die Gastgeber in den Burgen, Schlössern, Gärten und Klosteranlagen.“ Und sie fügte hinzu: „Gemeinsam mit vielen Vereinen hoffen wir, dass sich noch mehr junge Leute für die spannende und wirksame Tätigkeit interessieren. Sie werden überall mit offenen Armen empfangen.“

So ging auch Dr. Heinz Buri, der Laudator für den diesjährigen Vulpius-Preisträger, zunächst auf die vielen Facetten von Ehrenamt und Mäzenatentum ein. Er spannte den Bogen von Zuwendungen solventer Privatspender über langfristige Spendenaktionen bis hin zur verdienstvollen ehrenamtlichen Arbeit, für die oft viele Freizeitstunden erbracht werden. Alle Engagierten verbinde eine ähnliche Motivation: „Kulturelles Erbe ist sensibel, empfindlich, bedürftig und von ständigem Verfall und Substanzverlust bedroht. Sich gemeinsam um dieses Erbe zu kümmern, ist nicht nur identätsstiftend, es verbindet auch Menschen.“

Zugleich skizzierte Buri den Platz des Ehrenamts: „Natürlich kann das Ehrenamt nicht eine Unterfinanzierung oder eine personelle Unterbesetzung der zuständigen Kultureinrichtung dauerhaft kompensieren, und etwa satzungsgemäße Kernaufgaben beispielsweise einer Schlösserstiftung übernehmen. Kernaufgaben müssen über eine auskömmliche Finanzierung abgesichert sein. Aber mit ehrenamtlichem Engagement können die Wirkungskraft einer kulturellen Einrichtung gesteigert, die Reichweite erhöht und Projekte realisiert werden.“

Die Freunde der Klosterruine St. Wigbert in Göllingen nähmen ihre selbstgesetzten Aufgaben in ganz besonderer Weise wahr, so Buri in seiner anschließenden Laudatio zum Christian-August-Vulpius-Preis. Der Einsatz des Vereins gelte Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des einmaligen Erbes der Klosterruine unweit des Kyffhäusers. „Was macht nun den Göllinger Verein ganz besonders?“, fragte Buri, „Nun – dieser Verein ist enorm breit aufgestellt, er hat sich das ganze denkmalpflegerische Credo, die Trias von Erhalten – Erforschen – Vermitteln hartnäckig und beharrlich über mehr als ein halbes Jahrhundert zu eigen gemacht und damit zur Sicherung der Klosterruine beigetragen. Und – darüber hinaus – aktiv zur Erforschung, Vermittlung und Belebung des Baudenkmals.“

Der Laudator erinnerte dabei nicht zuletzt an die Anfänge des Engagements in den DDR-Jahrzehnten, als sich der romanische Klosterturm inmitten einer Konservenfabrik befand: „Natürlich waren die wirtschaftliche Nutzung der Anlage, also die Fabriktätigkeit im Ensemble, und das denkmalpflegerische Bemühen um den Schutz und Erhalt schwer kompatibel. Es ging um Denkmalschutz versus Volkswirtschaft.“ Sei es damals tatsächlich um die Rettung des Denkmals gegangen, so stünden heute kulturelle Aktivitäten im Vordergrund, die die Anlage beleben.

Die Preisverleihung nutzte STSG-Direktorin Fischer, um dem Verein für seine Tätigkeit zu danken. „Mit umfassender Unterstützung und manchem kritischen Wort bringen Sie sich in die Erhaltung und Vermittlung der Klosterruine Göllingen ein. Wir sind sehr dankbar für diese Partnerschaft“, so Fischer an die Preisträger gewandt.

Mäzenatentum war auch die Voraussetzung für das an die Preisverleihung anschließende Konzert mit dem Trio Triton (Marius Sima – Violine, Claudia Schwarze – Cello, Ralph Neubert – Klavier). Seit Kurzem steht im Blauen Saal ein großer weißer Flügel zur Verfügung – die Schenkung einer Mäzenin an den Verein Thüringer Schlosskonzerte e.V., der sie der STSG als Leihgabe für den im 18. Jahrhundert entstandenen Saal überlässt.

 

Abbildung:

STSG-Direktorin Dr. Doris Fischer (2. v.l.), Laudator Dr. Heinz Buri (r.) und Günther F. Chmielus (Gesellschaft der Freunde der Klosterruine St. Wigbert Göllingen e.V., 4. v.r.) mit dem Christian-August-Vulpius-Preis im Kreis weiterer Vereinsmitglieder, Foto: STSG, Franz Nagel

 

Eine große Vielfalt von Pflanzen für den heimischen Garten wird am kommenden Samstag auf den Dornburger Schlössern und Gärten angeboten. Auf Einladung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten präsentieren zur jährlichen Pflanzenbörse professionelle Züchter und versierte Gartenfreunde Zier- und Nutzpflanzen. Auch das Gartenteam der Dornburger Schlossgärten ist dabei.

Zwischen 10 und 15 Uhr können sich Interessierte mit Pflanzen für Haus und Garten versorgen, unter anderem mit Freilandkakteen, Fuchsien, Obst- und Gemüsepflanzen, Gehölzen, Rosen und Staudengewächsen. Die Schlossgärtner haben Ableger von Stauden, Sommerblumen, aber auch Kräuter- und Gemüsepflanzen im Angebot. Außerdem gibt es die Dornburger Schlossrose zu kaufen, eine im vergangenen Jahr prämierte und nach den Dornburger Schlössern benannte Neuzüchtung.

Ergänzt wird das grüne Angebot um Tiroler Spezialitäten, Honig, Töpferwaren mit Gartenbezug, Apfelsaft von der Streuobstwiese im Schlosshof und einen Kalender für das Jahr 2024 mit Motiven aus den Schlossgärten.

Kinder können an einem Basteltisch Biosphären selbstherstellen – angesäte, bepflanzte und angegossene Gläser, in denen sich pflanzliches Leben entwickelt – am besten selbst große Schraubgläser mit Deckel mitbringen, alles andere wird gestellt.

Um 14 Uhr gibt es eine öffentliche kostenfreie Führung „Grüne Geschichte(n)“ durch die Schlossgärten, die historisches und gärtnerisches Wissen vermittelt (Treffpunkt am Alten Schloss).

Fotos:
Dornburger Pflanzenbörse, Foto: STSG, Fanny Rödenbeck
Dornburger Schlossrose, Foto: STSG, Christian Hill

Ein Jahrhundert Museumsbetrieb auf den Dornburger Schlössern – das ist das Thema eines Vortragstages mit Kaffeetafel und anschließendem Abendprogramm, zu dem die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (STSG) am 14. Mai im Alten Schloss Dornburg einlädt. Vier Vorträge beleuchten ab 13.30 Uhr die Geschichte der Dornburger Schlösser als Museum. Museumskurator Christian Hill (STSG) gibt Einblicke in die Zeit vor dem Ende der Monarchie 1918, Prof. Dr. Volker Wahl rückt die Umstände der Übertragung an die Goethe-Gesellschaft 1921/22 in den Fokus, Dr. Gabriele Oswald (Klassik Stiftung Weimar) zeichnet das Wirken Helmut Holtzhauers auf den Dornburger Schlössern um 1960 nach, und Dipl.-Restauratorin Sina Junker (STSG) erläutert die bevorstehenden Sanierungsmaßnahmen am Renaissanceschloss. Im Anschluss gibt es um 18 Uhr ein musikalisch-literarisches Programm rund um Goethes Gedicht „Wandrers Nachtlied“.

Ausgangspunkt der musealen Entwicklung der Dornburger Schlösser ist die Bergstube im Renaissanceschloss, in der sich Johann Wolfgang von Goethe 1828 für mehrere Wochen aufhielt. Neben zahlreichen Briefen und Gesprächen sind aus dieser Zeit auch Gedichte überliefert. Goethes Verbindung zu den Dornburger Schlössern war auch Anlass für die Übernahme durch die Goethe-Gesellschaft nach der Revolution von 1918. Später gehörten die Dornburger Schlösser zu den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur. Deren Generaldirektor Helmut Holtzhauer sorgte für Umgestaltungen in den Schlössern und Gärten. 2006 eröffnete die Klassik Stiftung Weimar das sanierte Rokokoschloss mit einer neuen musealen Konzeption. 2009 übernahm die STSG, zu der bereits das Alte Schloss gehörte, auch das Renaissance- und das Rokokoschloss und verantwortet seither ebenso den musealen Betrieb.

Nach der aktuellen Saison wird das Renaissanceschloss Ende Oktober aufgrund von Sanierungsarbeiten im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms I der STSG für mehrere Jahre geschlossen. Das Rokokoschloss und das benachbarte Bauhaus-Werkstatt-Museum bleiben auch in den kommenden Jahren geöffnet.

Für die Veranstaltung am 14. Mai ist aufgrund begrenzter Plätze eine Anmeldung bis zum 11. Mai notwendig (museum@dornburg-schloesser.de oder 036427/215130).

100 Jahre Museum Dornburger Schlösser
Von der großherzoglichen Sommerresidenz zum Museum
14. Mai 2023, 13.30 Uhr, Dornburger Schlösser, Altes Schloss
Anmeldung: museum@dornburg-schloesser.de

Abendprogramm
Goethe – Wandrers Nacht. Eine literarisch-musikalische Reise zu Ehren des weltberühmten Gedichts „Wandrers Nachtlied“ von Johann Wolfgang von Goethe
14. Mai 2023, 18 Uhr Dornburger Schlösser, Altes Schloss

 

Abbildung: Goethes Bergstube im Dornburger Renaissanceschloss, Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn

 

Auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten an prominenter Stelle vor dem Westflügel eine junge Säuleneiche gepflanzt. Die Eiche ersetzt einen Altbaum aus dem 19. Jahrhundert, der zuvor an gleicher Stelle stand.

Der Eichensetzling wurde durch Veredelung aus einem Zweig des abgestorbenen Altbaums gezogen. Der laut Jahresringen über 160 Jahre alte Baum war der Trockenheit der letzten Jahre zum Opfer gefallen, eine der vielen sichtbaren Folgen des Klimawandels für historische Parks. Durch die Veredelung zuvor entnommener Zweige wird das Genmaterial und damit auch die besondere säulenförmige Wuchsform des historischen Baums am Standort erhalten.

Mit der Nachpflanzung soll das historische Erscheinungsbild des Westflügels langfristig wiederhergestellt werden. Denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der vorgelagerte Bereich als Landschaftsgarten gestaltet worden, einschließlich des Teehäuschens für Fürstin Caroline Luise von Schwarzburg-Rudolstadt. In diesem Gestaltungszusammenhang wurden später auch zwei Säuleneichen rechts und links vom Schlossportal gepflanzt, die lange die Ansicht prägten. Beide Bäume gingen in den letzten Jahren verloren, nun ist auch der zweite nachgepflanzt. Eine Scheibe aus dem Stamm des verlorenen Altbaums ist derzeit in einer Sonderausstellung im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg zu sehen.

Die Säuleneiche ist ein besonderer Baum. Die schlanke Wuchsform geht auf die Mutation einer Stieleiche in Südhessen zurück, deren Nachkommen in der Gartenkunst Karriere machten. Von der 580 Jahre alten „Mutter aller Säuleneichen“ stammen wahrscheinlich alle heute erhaltenen Säuleneichen in historischen Parks und Gärten ab – so auch die Säuleneichen auf Schloss Heidecksburg.

Das Veredeln von Laubbäumen hat in historischen Park- und Gartenanlagen besondere Bedeutung. Kronenformen und Laubfarben wurden mit Blick auf ihre gestalterische und räumliche Wirkung ausgewählt und sind nur schwer zu ersetzen. Daher setzen Gartendenkmalpfleger bei notwendigen Nachpflanzungen vorzugsweise auf vorhandenes Genmaterial vom gleichen Standort. Junge Setzlinge können sich dabei von klein auf an die Gegebenheiten der Umgebung anpassen, mit eingewöhntem Genmaterial vom Standort sind die Chancen besonders gut.

 

Abbildung:

Gartenreferent Jonathan Simon (links) und Schlossgärtner Carsten Wilhelm mit der neu gepflanzten Säuleneiche und einer Scheibe des Altbaums, Foto: STSG, Franz Nagel