Im Schlosspark Wilhelmsthal bei Eisenach hat das derzeit reichlich verfügbare Wasser schneller als erwartet den Beginn der Wiederbefüllung des Parksees ermöglicht. Mit dem zügigen Volllaufen des Sees begann das von Messungen begleitete Probestauprogramm. Sein Erfolg ist Voraussetzung für die lange erwartete Wiederbelebung als See.

In den vergangenen Jahren war der Damm saniert worden. Dies war nötig, weil es sich beim Wilhelmsthaler See im wasserrechtlichen Sinn um eine Talsperre handelt, die Beschaffenheit des Damms den damit verbundenen Anforderungen jedoch nicht genügte. Den letzten Schritt bildet nun das Probestauprogramm. Dabei werden in regelmäßigen Abständen Messungen durchgeführt. Wenn sich die erwarteten Werte bestätigen, muss das Wasser nicht wieder abgelassen werden.

Mit der Wiederbefüllung ist nicht nur ein Teil des Gartendenkmals, sondern auch ein technisches Denkmal wieder in Funktion. Der Wilhelmsthaler See gilt als älteste Talsperre in Thüringen. Er entstand Anfang des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Bau von Schloss Wilhelmsthal und der Anlage des zugehörigen Barockgartens. Auf dem See konnte man mit Gondeln fahren und das Panorama der Schlossanlage genießen. Später wurde der Garten zum Landschaftspark umgestaltet, in dem der See nach wie vor eine entscheidende Rolle spielt.

Abbildung:
Schloss und Park Wilhelmsthal – der See führt wieder Wasser, Foto: STSG, Andrea Walter

Im Westflügel von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden sind für den Rundgang wichtige Räume wieder an das Museum Schloss Wilhelmsburg übergeben worden. Dort mussten für etwa 500.000 Euro Böden und Decken saniert werden. Nun beginnt die Ausstattung der Räume im Rahmen eines neuen Museumskonzepts.

Wie bereits am Ost- und am Nordflügel, schloss sich auch am Westflügel an die Dachsanierung die Bearbeitung von Innenräumen an. Im Obergeschoss mit den Gemächern des Landgrafen und der Landgräfin hatten Untersuchungen Schäden an den Holzkonstruktionen und Bodenbelägen ergeben. Hauptursachen waren der Echte Hausschwamm und Schädlingsfraß.

In der gesamten westlichen Raumflucht mussten Zimmerer die Dielen entfernen und die Balkenkonstruktionen reparieren. Das Gemach der Landgräfin in der Nordwestecke des Schlosses war am stärksten betroffen. Dort gab es auch schwere Schäden an der Deckenkonstruktion, beispielsweise einen maroden auf dem Mauerwerk aufliegenden Balken mit entscheidender Tragfunktion. Aber auch in der darunterliegenden Decke waren Eingriffe nötig. Deshalb mussten auch im Landgrafengemach im Erdgeschoss die hölzernen Deckenverkleidungen vorsichtig abgenommen werden, um sanieren zu können. Die dämmenden Lehmfüllungen von Böden und Decken wurden ergänzt, stellenweise auch erneuert.

Nach dieser tiefgründigen Kur konnte es an die Oberflächen gehen. Die Deckenvertäfelungen kamen wieder an ihren Platz und wurden dabei einer Konservierung unterzogen. Wieder eingebaut werden konnten auch die mehr als 400 Jahre alten restaurierten Originaldielen aus der Bauzeit des Schlosses in den Eckräumen. In den übrigen Bereichen war der ursprüngliche Belag schon länger verloren, hier kamen neue Dielen zum Einsatz.

Abschließend konnten sich Fachleute den 380 Quadratmetern Wand- und Deckenflächen widmen, die den größten Schatz von Schloss Wilhelmsburg tragen – den Wandmalereien der Spätrenaissance. Durch das Entfernen jüngerer Sockelleisten sind sie wieder komplett zu sehen. Mit Liebe zum Detail reinigten Restauratorinnen die Wandflächen und griffen wo nötig festigend ein.

Nun können die Räume wieder genutzt werden – zum Teil aber nur provisorisch. Denn in einigen von ihnen stehen noch größere Restaurierungen an den Oberflächen und Malereien an. In den betroffenen Räumen wurden deshalb die neuen Dielen gleich wieder mit einer Schutzabdeckung versehen. Zunächst werden die Methoden in diesem Jahr an einem Musterraum erprobt. Mit etwas Glück können Besucher den Spezialisten dabei über die Schulter schauen.

Museumsdirektor Dr. Kai Lehmann ist dennoch froh über den Fortschritt. „Der Rundgang ist nun wieder vollständig begehbar. Außerdem können wir in den Eckräumen eine lange gehegte Idee in die Tat umsetzen. Dort wird bald Landgraf Wilhelm auf ungewöhnliche Weise die Besucher begrüßen – mehr wollen wir aber noch gar nicht verraten.“

Mit der Wiederherstellung der Innenräume ist nun der dritte große Ab-schnitt der Dachsanierung auf Schloss Wilhelmsburg abgeschlossen. Die letzte Etappe dieses langfristigen Vorhabens ist dann der Südflügel mit Turm und Schlosskirche. „Es wird am Ende zwar gut 15 Jahre gedauert haben, aber wenn das geschafft ist, wird der Erfolg für mehrere Generationen nachwirken“, sagt Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. „In solcher Gründlichkeit sind die Dächer und Decken seit der Erbauungszeit noch nie saniert worden. Es ist ein wirklich nachhaltiges Projekt.“

 

Im Turm von Schloss Schwarzburg wird derzeit die neue Innentreppe im Rohbau fertiggestellt. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem ersten Ausbauabschnitt des Schloss-Hauptgebäudes, der in wenigen Monaten als Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen eröffnet werden soll.

In den vergangenen Jahren waren zunächst das Mauerwerk und die Fassaden des Turms saniert worden. Die zum Teil marode Substanz musste mit tiefgreifenden Mauerwerksergänzungen stabilisiert und außen zunächst mit einem schützenden Unterputz versehen werden. Parallel wurde am stark verwitterten und stellenweise schon abgängigen Bauschmuck gearbeitet, der teils aus Sandstein, teils aus aufgeputzten Elementen besteht.

Die nun im unteren Bereich neu eingebaute Treppe verleiht dem Turm zusätzlich Stabilität. Carola Niklas, Baureferentin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, erklärt das so: „Als freispannendes Bauteil aus Stahlbeton verbindet sie die Außenwände und die unterschiedlichen Geschossebenen miteinander und gibt ihnen Halt.“ Neben dieser baukonstruktiven Funktion löst die Treppe ein zweites Problem – sie schafft den notwendigen zweiten Fluchtweg für das benachbarte Schloss-Hauptgebäude, das über einen Steg mit dem Turm verbunden wird. „Mit dieser Verbindung können wir auf ein vor die Schlossfassade gestelltes Fluchttreppenhaus verzichten“, so Niklas.

Alt und neu: Übergang zu den erhaltenen Treppenläufen, Foto: IBA Thüringen, Thomas Müller

Der Schlossturm war ursprünglich Teil der Schlosskirche, die im rechten Winkel an das Hauptgebäude anschloss. Die Treppe im Turm führte damals auf die Kirchenempore und weiter bis zur Turmhaube. Seit dem Abriss des Kirchflügels 1940 steht der Turm frei. Statische Probleme waren die Folge, verschärft durch die Witterung nach dem Brand-verlust der Turmhaube 1980. Auch die Treppe litt unter dem Verfall. Nur noch drei Treppenläufe im Emporenbereich konnten gehalten werden. Die neue Treppe schafft nun wieder den Anschluss ins Erdgeschoss. Die Fortführung bis zur Traufe ist für einen späteren Bauabschnitt vorgesehen.

„Mit der neuen Treppe wird neben dem Hauptgebäude auch der Turm erstmals seit mehreren Jahrzehnten wieder sicher begehbar sein“, greift Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, einen vor Ort lange gehegten Wunsch auf. „Und ein Herzensprojekt des Fördervereins Schloss Schwarzburg rückt damit auch ein Stück näher – die Wiedererrichtung der abgebrannten Turmhaube.“ Dafür sammelt der Verein bereits Spenden.

 

Abbildung:

Neue Treppe im Turm von Schloss Schwarzburg, einst Aufgang zur Kirchenempore, Foto: Tectum, Christiane Hille

In Schloss Molsdorf wird es pünktlich zur BUGA ein neues Café geben, das „Park Café Schloss Molsdorf“. Daran arbeiten die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin und die Lebenshilfe Erfurt Service gGmbH als Betreiberin derzeit unter Hochdruck. In dieser Woche haben die vorbereitenden Bauarbeiten begonnen.

Die Bauarbeiten dienen vor allem der Modernisierung der technischen Infrastruktur. Im Mittelpunkt steht dabei der künftige Küchen- und Thekenbereich. Nicht mehr verwendbare Einbauten aus dem 20. Jahrhundert müssen entfernt und die Elektroinstallation erneuert werden. Auch an der Heizungsanlage sind Erneuerungen nötig. Mit Trockenbauwänden werden die künftige Backstube und eine Spülküche abgetrennt. Neue Brandschutztüren sorgen für Sicherheit. Für ein barrierefreies WC auch mit Blick auf die BUGA wird außerhalb des Schlosses mit einer Interimslösung gesorgt.

Im Gästebereich, den drei Gartensälen mit teilweise historischer Ausstattung, werden die stark beanspruchten Sandsteinböden aufgearbeitet und die Wände neu gestrichen. Bereits im vergangenen Jahr hat eine Restauratorin die dort präsentierten textilen Wandgemälde gereinigt. Ebenso bereits abgeschlossen ist die Instandsetzung der äußeren Fenster und Türen der Caféräume zum Garten.

Nach Abschluss der Arbeiten beginnt die Lebenshilfe Erfurt mit der Einrichtung von Backstube und Gasträumen. Das Konzept des im Bereich der anspruchsvollen Gastronomie erfahrenen Inklusionsunternehmens sieht vor, frisch hergestellte Back- und Konditoreiwaren, ausgewählte Getränkequalität und vorrangig Regionalprodukte anzubieten. Außerdem soll es eine Theke mit einem auf das Schloss abgestimmten Shopangebot geben.

Die Lebenshilfe Erfurt verfolgt mit dem neuen Park Café das Ziel, Menschen mit Behinderung in den Ausbildungs- und Arbeitsprozess zu integrieren und sie am Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft vollständig teilhaben zu lassen.

Für die Bauarbeiten investiert die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten rund 470.000 Euro. Sie wird dabei mit 150.000 Euro durch die Thüringer Staatskanzlei unterstützt. Die Lebenshilfe Erfurt gGmbH plant Investitionen von rund 350.000 Euro, gefördert von der Aktion Mensch.

Abbildung:
Schloss Molsdorf – im Erdgeschoss entsteht das neue Park Café, Foto: STSG, C. Schart

 

Bei der Sanierung des Brunnenhauses auf Schloss Bertholdsburg ist ein entscheidendes Etappenziel erreicht. Die Sanierung von Statik, Fassaden und Dach ist abgeschlossen. Im nächsten Jahr sollen Arbeiten im Innenraum und eine neue Außentreppe das außergewöhnliche Kleinod wieder perfekt machen. Etwas Besonderes ist nicht nur das Gebäude selbst – das Sanierungsprojekt wird zum allergrößten Teil durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz finanziert, die dafür eine private Großspende erhalten hat.

Die Arbeiten an dem kleinen Lustgebäude im Schlossgarten konzentrierten sich zunächst auf die Standsicherheit. Einer der sechs runden Sandsteinpfeiler, auf denen ein Gewölbe und darüber eine sechseckige Turmstube ruhen, musste neu gegründet werden. Seine über Jahrhunderte entstandene Schieflage hatte Risse am Kreuzgratgewölbe nach sich gezogen. Das Gewölbe musste deshalb mit Stahlstiften vernadelt und von oben mit einem Edelstahlgitter mit Mörtelüberzug gefestigt werden. Außerdem sichert ein von außen in die Fugen gelegter Ringanker das Gebäude gegen das Auseinanderdriften.

Neben der neu gewonnenen Stabilität gibt es auch optisch sichtbare Sanierungserfolge. Am Dach wurde nicht nur die Holzkonstruktion saniert, sondern auch die Dachdeckung denkmalgerecht erneuert. Nach historischen Abbildungen und einem erhaltenen Befund wurden kleine Biberschwanzziegel, sogenannte Turmbiber, von einer auf historische Modelle spezialisierten Ziegelei eigens hergestellt. Es handelt sich um Ziegel, die besonders für steile Dächer geeignet sind. Das sechseckige Zeltdach zeigt sich nun wieder in der feingliedrigen Struktur, die es bis ins frühe 20. Jahrhundert auszeichnete.

Besondere Sorgfalt waltete auch an den Sandsteinoberflächen. Steinrestauratoren reinigten die Werksteinflächen von Krusten und Verschmutzungen und festigten sie. Loses Fugenmaterial ersetzten sie durch Mörtel in passender Rezeptur. An einigen Stellen waren auch Steinergänzungen nötig.

Die nun abgeschlossenen Maßnahmen werden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit 264.000 Euro großzügig gefördert. Darin enthalten ist eine spektakuläre Privatspende in Höhe von gut 250.000 Euro. Weitere 64.000 Euro investiert die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aus ihrem eigenen Haushalt.

Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, ist erfreut über die besonderen Förderumstände: „Die Zusammen-arbeit mit den Kollegen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bedeutet für uns, dass denkmalpflegerische Qualität für alle Beteiligten an erster Stelle steht. Die Großzügigkeit eines privaten Spenders hat uns gemeinsam in die Lage versetzt, höchste Maßstäbe anzulegen.“

Auch für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist ein solches Projekt nicht alltäglich. Vorstand Steffen Skudelny erläutert: „Wenn Leidenschaft für das kulturelle Erbe und Mäzenatentum auf ein konkretes Denkmal treffen, ist das ein Glücksfall. Am Brunnenhaus konnten wir deshalb sehr schnell und umfangreich Mittel bereitstellen. So ist es gelungen, eine wirkliche Rarität zu bewahren.“

Kleine Gartenarchitekturen wie das Brunnenhaus gehörten im 16. Jahrhundert zu einer repräsentativen Gartengestaltung. Oft boten sie mit erhöhten Räumen oder Altanen einen Überblick über die geometrisch angelegten Pflanzungen. Allerdings haben sich nur wenige solcher Lustbauten erhalten. Eine Seltenheit ist zudem die Kombination mit dem ebenerdigen Brunnenbecken. Überwölbte Brunnenhäuser finden sich beispielsweise in Kreuzgängen von Klöstern, nur selten handelt es sich um freistehende Gebäude.

Dass man in Schleusingen Altan und Brunnen miteinander kombinierte, könnte mit der Gründungssage Schleusingens zu tun haben. Denn im Brunnenbecken fließen drei Quellen zusammen, und in einem solchen Becken badete der Sage nach eine Wassernixe, als sie einen frühen Grafen von Henneberg um die Rettung ihrer Tochter aus einem Zauberbann bat. Der kam der Bitte nach, heiratete die Tochter und gründete die Burg samt Stadt.

 

Abbildung: Brunnenhaus mit restaurierten Fassaden und saniertem Dach, Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Katja Hanf

Die Sanierung von Schlössern und Gärten in Thüringen soll durch ein Ende November auf den Weg gebrachtes Sonderinvestitionsprogramm von Bund und Land gefördert werden. Wichtige Aufgabenbereiche liegen in der Baukonstruktion, modernen musealen Arbeitsbedingungen und in der Restaurierung historischer Ausstattungen.

Worum geht es?
„Mit der Förderung haben wir die Chance, viele Denkmale durch gründliche Sanierung auf mehrere Generationen hinaus fit zu machen. Da darf man getrost auf Jahrhunderte hinaus denken. Das ist eine verantwortungsvolle Herausforderung, aber es geht auch große Faszination davon aus“, so Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. „Zudem ist die nachhaltige Sicherung der Denkmalsubstanz schlichtweg die Voraussetzung für die Arbeit von Museen, Archiven und anderen kulturellen Einrichtungen in den Anlagen.“

Was sind die Schwerpunkte beim Substanzerhalt?
Für viele Schlösser geht es um die erste umfassende Sanierung seit ihrer Errichtung. Alterserscheinungen wurden verschärft durch unsachgemäße Umbauten und Überlastungen. Die Bandbreite der Schäden reicht von substanzbedrohenden statischen Mängeln in der Baukonstruktion über gewaltige desolate Dächer bis hin zu verformten Geschossdecken, an denen unersetzbarer Stuck hängt. Auch Haus- und Sicherheitstechnik sind hier wichtige Themen.

Wie profitieren die Museen von den Investitionen?
Von barrierefreier Erschließung über zeitgemäße Depotlösungen und Arbeitsplätze bis hin zu Voraussetzungen für eine moderne Museumsdidaktik sind räumliche und technische Voraussetzungen zu schaffen. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt auch die touristische Infrastruktur.

Was soll durch Restaurierungen erreicht werden?
Beim Restaurieren geht es um den Erhalt von Substanz und um das Gesicht des historischen Erbes. Historische Raumkunstwerke mit ihren Farbfassungen, Malereien, Stuckaturen, Spiegeln und vielem mehr sind zu konservieren und zu restaurieren. Das sichert neben dem ästhetischen Wert einen großen Schatz an Kunstwerken, aber auch ein Reservoir versiegender Handwerkstechniken. Restaurierungen sind entscheidende Bausteine für Tourismus und kulturelle Bildung.

Was brauchen die Parks und Gärten?
Dort sind Brücken, Wege und Treppen zu sanieren und Teiche zu entschlammen. Eine große Aufgabe ist mit dem Klimawandel verbunden, der gartenkünstlerisch relevante Pflanzungen gefährdet und seit einigen Jahren erheblich intensivere Maßnahmen erfordert. Außerdem warten verloren gegangene historische Gartenszenerien auf ihre Restaurierung.

 

In der Herzoglichen Orangerie Gotha beginnt der Bau des neuen Kamelienhauses. Es ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit dem Förderverein Orangerie-Freunde Gotha e.V. Der Neubau wird vollständig aus Spenden finanziert. Im Frühjahr 2021 – pünktlich zur Bundesgartenschau Erfurt 2021 – soll das Gebäude als Quartier für die wertvolle Kameliensammlung übergeben werden. Denn Gotha ist mit der Orangerie, dem Englischen Garten und der Wasserkunst ein Außenstandort der Bundesgartenschau.

Das neue Kamelienhaus entsteht unmittelbar beim Nördlichen Treibhaus, in dem die Pflanzen bisher im Winter untergebracht sind. Am historischen Standort wird noch im Dezember die Baugrube ausgehoben. Im Januar folgen das Fundament und der Aufbau der Rück- und Seitenwände aus speziell vorgefertigten Betonteilen. Im März wird dann der Gewächshausbauer das Dach und die Nordfassade in einer Stahl-Glas-Konstruktion montieren.

Das neue Gewächshaus lehnt sich an historische Vorbilder an und schafft ideale Bedingungen für die aus Japan stammenden und mit dem Tee verwandten Blütensträucher. „Kamelien sind eigentlich genügsam“, sagt Parkverwalter Jens Scheffler, der das ganze Jahr über ein besonderes Auge auf die fernöstlichen Pflanzen hat. „Drei bis fünf Grad im Winter sind ausreichend, die Temperaturen sollten nur nicht zu sehr auf und ab gehen. Dazu bedienen wir uns aus dem Wissensschatz der altbewährten Gewächshausbautradition.“

Auch wenn moderne Materialien, wie Beton und Doppelverglasung zum Einsatz kommen – die Prinzipien sind über Jahrhunderte erprobt. Drei massive Wände und die Ausrichtung nach Nordwesten puffern Temperaturschwankungen ab und schaffen ein gleichmäßiges Klima für die Pflanzen. Außerdem wird das Haus etwa einen Meter tief in den Boden eingelassen. Das genügt in milderen Wintern schon, um die Pflanzen frostfrei zu halten, so dass die ebenfalls vorgesehene Heizung nur bei extremen Minustemperaturen eingesetzt werden muss.

Baustart für das Kamelienhaus: Wolfgang Schuster (Orangerie-Freunde e.V.), Sabine Ulrich (Vorsitzende Orangerie-Freunde e.V.), Sabine Jeschke (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten), Matthias Hey MdL, Gernot Harnisch, Jens Scheffler (Parkverwalter), Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Der Baustart für das Kamelienhaus ist ein weiterer großer Erfolg des Fördervereins Orangerie-Freunde Gotha e.V., der mit Ausdauer für Spenden wirbt und selbst sehr aktiv ist. Hinzu kommen Spenden, die seit 2014 jedes Jahr im Rahmen der Führungen zur Kamelienblüte von dem Landtagsabgeordneten Matthias Hey, dem Kamelienfreund Gernot Harnisch und dem Parkverwalter Jens Scheffler gesammelt werden. Beteiligt hat sich auch der Mitteldeutsche Kameliengesellschaft e.V. Außerdem wurde ein großer Teil der Planungsleistungen vom Architekturbüro GKL Planer Erfurt und dem Gothaer Ingenieurbüro Axel Heuchling kostenlos erbracht. Die Firma Heinz Werner aus Aschara will das Ausheben der Baugrube kostenfrei übernehmen. Durch die freiwilligen Leistungen konnten die Gesamtkosten in Höhe von rund 250.000 Euro auf etwa 180.000 Euro begrenzt werden. Ein wesentlicher Teil davon ist dank der Spendenaktion schon beisammen. Allerdings fehlen noch 20.000 Euro, damit das Gebäude pünktlich fertiggestellt und in Betrieb genommen werden kann. Dafür bitten die Orangerie-Freunde Gotha e.V. und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten weiter um Unter-stützung.

Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, ist dankbar für die Initiative: „Das neue Kamelienhaus ist ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür, was bürgerschaftliches Engagement erreichen kann. Man merkt, dass alle Akteure mit dem Herzen dabei sind und dies auch in die Bevölkerung getragen haben.“

 

 

 

Spendenkonto Orangerie-Freunde Gotha e.V.

DE5182 0640 3800 0008 6690

VR Bank Westthüringen

 

 

Abbildung:

– Visualisierung des neuen Kamelienhauses, Foto: GKL-Planer Erfurt

Vor genau 30 Jahren waren erste wichtige Schritte zur Rettung der Veste Heldburg getan – dabei hatten die Bauarbeiten erst wenige Monate zuvor begonnen. Am 6. Dezember 1990 war der Dachstuhl auf dem Französischen Bau fertiggestellt. Der jahrelange Verfall der Brandruine war damit gestoppt.

Die bayerisch-thüringische Gemeinschaftsaktion zum Wiederaufbau des Französischen Baus hatte unmittelbar nach dem Mauerfall ihren Anfang genommen. Noch Ende 1989 trafen sich Denkmalpfleger aus beiden Ländern auf der Veste, die bis kurz zuvor noch im Grenzsperrgebiet der DDR gelegen hatte. Gemeinsam begutachteten sie die schweren Schäden, die ein verheerender Brand 1982 und die anschließend jahrelang ungehindert eindringende Witterung angerichtet hatten lassen. Schnell war man sich einig – das wertvolle Zeugnis der Renaissancearchitektur ist noch zu retten.

Baumaterial wurde beschafft, schon im ersten Quartal stand der Kran und es begannen erste Arbeiten. Der offizielle Baubeginn war allerdings erst am 5. Juli, denn für die Planung des Budgets musste zunächst die Währungsunion vollzogen sein. Architekten, Ingenieure, Behörden und Baufirmen arbeiteten mit Elan eng zusammen. Und Entscheidungen wurden am Fließband getroffen: „Alle Behörden waren mit Stempel bei den Bauberatungen vertreten, und die Genehmigungen wurden gleich vor Ort erteilt“, erinnert sich Inge Grohmann aus Heldburg, nach 1990 für viele Jahre Schlossverwalterin auf der Veste.

Auch vor 1989 gab es Bemühungen zum Wiederaufbau der Ruine. 1982 war im Dachgeschoss ein Brand ausgebrochen, der praktisch das ganze Innere zerstört hatte. Geschossdecken und die aufwendige Ausstattung aus dem 19. Jahrhundert gingen fast vollständig verloren, lediglich die Außenmauern blieben stehen. „Obwohl eine Versicherungssumme zur Verfügung stand, scheiterten alle Versuche im Wechsel entweder am fehlenden Material oder an mangelnden Arbeitskraft-Kapazitäten“, denkt Grohmann an das Dilemma zurück. Von Jahr zu Jahr machte die Witterung die Schäden größer, es drohte der Totalverlust. Zu den Fachleuten, die sich nach 1982 besonders intensiv um den Wiederaufbau bemühten, gehörte der heute in Hildburghausen tätige Architekt Frank Schneider. Als junger Hochschulabsolvent lebte er nicht nur mit seiner Familie im intakten Teil der Veste, sondern untersuchte den Bau genau und erarbeitete neben mehreren Planungsvorschlägen ein genaues Aufmaß – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es 1990 schnell mit den Mauerer- und Zimmermannsarbeiten losgehen konnte. Gesteuert wurde das Projekt von dem Architekten Günter Garenfeld aus Würzburg.

Beim Richtfest am Nikolaustag 1990 wurden die ersten Schieferplatten aufgenagelt, 1991 war das Dach gedeckt, außerdem wurden Giebel wiederhergestellt und Geschossdecken eingebaut. Im Jahr darauf folgten die Dachhauben der Treppentürme und der Fassadenputz. Damit war der Bestand gesichert.

Von Anfang an wurden die Maßnahmen intensiv von bürgerschaftlichem Engagement begleitet und vorangetrieben. Der im Februar 1990 gegründete Förderverein Veste Heldburg e.V. mit vielen Mitgliedern beiderseits der ehemaligen Grenze warb Spenden ein, gab der Anlage über viele Jahre ein Gesicht und sorgte mit Veranstaltungen für große Aufmerksamkeit. Die ersten Sicherungsmaßnahmen wurden neben staatlichen Fördermitteln beispielsweise von der Messerschmitt Stiftung mit einer großen Anschubfinanzierung von 1 Million D-Mark unterstützt.

Zum Jahr 1995 übernahm die neu gegründete Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die Veste Heldburg in ihre Verantwortung. Die Sanierungsarbeiten an den Gebäuden wurden fortgesetzt. Ab 2008 ergab sich die Möglichkeit, mit rund 7,5 Millionen Euro Förderung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) einen großen Schritt weiter zu kommen. Bis 2013 wurden der Heidenbau, zwei Geschosse im Französischen Bau und Teile das Besucherzentrum im Kommandantenbau saniert, 2016 eröffnete in den fertigen Räumen das Deutsche Burgenmuseum Veste Heldburg. Weitere Etappen folgten: 2020 wurde im Kommandantenbau eine Treppe eingebaut, die das Gebäude brandschutzgerecht erschließt und damit künftig wieder Veranstaltungen in der beliebten Freifraukemenate möglich macht. Außerdem wurde unter der Bauherrschaft der Stadt Heldburg mit einem Gastronomieneubau im Burghof begonnen. Damit ist die Arbeit aber längst nicht beendet – unter anderem warten noch zwei weitere Geschosse im Französischen Bau auf die Sanierung für den Museumsrundgang.

Abbildungen:

– Veste Heldburg, Französischer Bau zum Richtfest im Dezember 1990, Foto: Archiv Schlossverwaltung Veste Heldburg

– Veste Heldburg heute, Foto: Schatzkammer Thüringen, Marcus Glahn

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit ist in der Herzoglichen Orangerie Gotha wieder eine Ananas reif. Es ist die mittlerweile sechste Frucht, seit die hier einst ausgeprägte Tradition der Ananastreiberei vor einigen Jahren wieder aufgenommen wurde. Zuvor hatte es etwa 100 Jahre keine Ananas in der Orangerie gegeben.

Von der Blüte bis zur reifen Frucht vergehen ungefähr neun Monate. Vor Ort kann die Ananas vollständig ausreifen, so dass der Duft und das Aroma äußerst intensiv werden. In der kleinen Ananastreiberei im Nördlichen Treibhaus entwickeln sich bereits die nächsten Früchte, die dann im Frühjahr 2021 geerntet werden können. Dann eröffnet in der Orangerie auch die Sonderausstellung „Im Garten der goldenen Früchte“ anlässlich der Bundesgartenschau Erfurt 2021. Darin wird es unter anderem einiges zur Kultivierung der Ananas zu entdecken geben.

Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurden am Herzoglichen Hof in Gotha Ananas gezogen. Die erste Ananastreiberei im Küchengarten zog später in die Orangerie um. Der Gothaer Oberhofgärtner Theobald Eulefeld war im 19. Jahrhundert ein Spezialist für die Ananastreiberei. Über 700 Pflanzen wurden in der Orangerie in speziellen Ananastreibhäusern kultiviert. Die exotische Frucht aus Südamerika war äußerst begehrt. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert hatten Seefahrer und Handelsreisende von ihrem Geschmack geschwärmt: „Der inwendige Saft schmälzet im Munde, und schmecket so wohl, daß er alle Leckerspeisen übertrifft.“

 

Abbildung:
Reife Ananas in der Orangerie Gotha, Foto: Jens Scheffler

 

Mit Freude hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten die aktuellen Nachrichten aus Berlin zur anstehenden Bundesförderung für Schlösser in Mitteldeutschland zur Kenntnis genommen. „Wir sind dankbar für die Signale aus dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags“, sagt Direktorin Dr. Doris Fischer. „Wir haben mit den Investitionsmitteln die konkrete Aussicht, mit unseren Sanierungsvorhaben deutlich schneller voranzukommen als bisher. Ebenso viel wiegt aber die Anerkennung für die Kulturlandschaften Mitteldeutschlands – ihre Kulturdenkmale werden in ihrer bundesweiten Bedeutung wahrgenommen. Das Land Thüringen hat mit der Bereitschaft, eine so umfangreiche Förderung zu kofinanzieren, einen entscheidenden Anschub geleistet.“